Flixrtrain Foto David Ebener NOZ

Viele von euch haben sicher schon davon gehört, manche haben es vielleicht sogar schon getestet: Die Rede ist vom seit März zwischen Köln und Hamburg pendelnden FlixTrain. Zwar legt dieser keinen Stopp in Lingen ein, doch hält er in Münster und fährt von dort wahlweise nach Köln oder Hamburg weiter. Für die meisten Lingener Studenten fallen also die Kosten der Fahrt nach Münster weg, so auch bei mir.

Momentan habe ich noch das Privileg meist mit dem Auto fahren zu können und bin in meinen jetzt fast zwei Semestern hier in Lingen noch kein einziges Mal mit dem Zug Richtung Heimat gefahren. Auto zu fahren war einfach günstiger, schneller und flexibler. Aktuell schwingen sich die Spritpreise jedoch in so horrende Gebiete, dass es eine Überlegung wert war, auch mal den Zug zu nutzen. Ich komme aus einer Stadt unweit von Köln und daher erschien mir der FlixTrain eine gute Option zu sein. So habe ich ungefähr eine Woche vorher nach Tickets für freitags Richtung Köln und dienstags zurück nach Lingen gesucht. Naja, eigentlich wollte ich schon montags zurückfahren, doch der FlixTrain fährt nur einmal täglich und montags sollte diese Fahrt um 6:30 Uhr stattfinden. Dienstags fuhr der Zug zu einer etwas humaneren Zeit und das für nur rund fünf Euro pro Fahrt. Was für ein Schnapper, dachte ich mir, und das Ganze war gebucht.

Freitagabend war es dann so weit, um 19 Uhr sollte es von Münster losgehen. Leider fahren die Züge von Lingen nach Münster etwas unpraktisch, so musste ich bereits eine Stunde früher anreisen und mir die Zeit am Bahnhof vertreiben. Als ich dann dachte, ich hätte es endlich geschafft, stellte ich fest, dass der Zug 25 Minuten Verspätung hatte. Nicht die Welt, aber auch kein Träumchen. Irgendwann trudelte der Zug dann doch ein und verdammt, er war voll. Im Flixtrain gibt es nur Abteile, keine Sitzreihen wie man es von ICE und Co. kennt und auch Platzreservierungen waren hier bisher nicht möglich. Pro Abteil gibt es sechs Plätze und theoretisch wäre das auch ganz gemütlich, wenn nicht fast jeder Platz besetzt gewesen wäre. Ich torkelte also so lange durch den fahrenden Zug von hinten nach vorn, bis ich endlich einen Platz gefunden hatte.

Als dieses Kunststück vollbracht war, war ich jedoch relativ zufrieden, bis der Zugführer folgende Durchsage tätigte: „Für die Herrschaften gibt es in Wagen sechs Bier und für die Frauen, die zu viel am Handy hängen, haben wir auch Powerbanks zum Verleihen da.“ Theoretisch zwei positive Aspekte, doch in dieser freundlichen Portion Sexismus verpackt, erlag ich fast meinem aufsteigenden Brechreiz. Abgesehen davon, war der Sitz, den ich belegte, aber bequem, die Leute ruhig und angenehm und auch wenn der FlixTrain anscheinend keine Klimaanlage hat, war es dank der durchweg geöffneten Zugfenster auf dem Gang auch weder zu stickig noch zu warm. Die Fahrt nach Köln ist kein großes Spektakel, denn sie dauert nur ungefähr eineinhalb Stunden mit Halt in Gelsenkirchen, Essen, Duisburg und Düsseldorf.

Alles in allem waren sowohl Hin- als auch Rückfahrt angenehme Erlebnisse. Vielleicht hätte das Ganze auf einer vierstündigen Fahrt anders ausgesehen, grade weil man bei einer solchen Zeit oft nicht um die Benutzung der Zugtoilette herum kommt, aber seien wir ehrlich, welche Zugtoilette riecht schon nach Erdbeeren, Minze oder 4711? Die vom FlixTrain zumindest nicht, aber das möchte ich auch nicht zum Vorwurf machen, denn hier sind hauptsächlich die Fahrgäste die Übeltäter.  Auf dem Rückweg nach Münster war der FlixTrain wieder voll, was für einen Dienstagmorgen verwunderlich war, doch er hatte keine Verspätung und auch hier fand sich ein Sitzplatz.

Insgesamt würde ich für die zehn Euro, die mich die Fahrten nach Köln und zurück gekostet haben, eine Empfehlung für den FlixTrain aussprechen. Für diejenigen, die es gern komfortabler haben, ist jedoch die direkte IC Verbindung von Lingen nach Köln geeigneter, hier zahlt man aber auch schnell das fünffache ohne BahnCard. Ab Juli soll auf der Strecke Köln-Hamburg ein weiterer Zug eingesetzt werden und ab 21. Juni wird der FlixTrain ebenfalls zwischen Stuttgart und Berlin verkehren. Zukünftig sollen auch Sitzplätze für geringen Preisaufschlag reserviert werden können.

 

Text: Lena Naber

Bild: Neue Osnabrücker Zeitung, David Ebener