Bild Aufreger Anonymisierung der Prüfungsleistung

Momentan ist die Klausurenphase der Hochschule Osnabrück Standort Lingen in vollem Gange. Egal ob BWL-, Kommunikations- oder Wirtschaftsingenieursstudent - selten ist die Bibliothek so gefüllt wie im Januar und die gute Laune der Studenten derart im Keller.

Am Tag der Klausur ist das Wissen, das man sich in einer bestimmten Zeitspanne im wahrsten Sinne des Wortes "reingeprügelt" hat, abzurufen. Zur Identifikation des Studenten sind in den Klausuren verschiedene Angaben zu machen. Neben der individuellen Matrikelnummer ist in der Klausur (jedenfalls im Studiengang des B.A. Kommunikationsmanagement) auch der Name des Studenten anzugeben. Warum ist dies notwendig? Birgt es nicht ein gewisses Risiko der Voreingenommenheit des Bewertenden? Besonders in Seminaren von circa 20 bis 30 Studenten kennen die Dozenten die Studenten beim Namen - jedenfalls die, die an den Seminaren teilnehmen. 

Eventuell entwickelt man Meinungen über Studenten, findet die mündlichen Leistungen des Studenten X ansprechend, ärgert sich über das Störverhalten von Student Y. Es ist eine natürliche menschliche Reaktion, sich über andere Meinungen zu bilden. Eventuell Sympathien oder sogar Antipathien zu entwickeln. Wer behauptet, dies nicht zu tun, bildet wohl die Ausnahme von der Regel. Dabei gehen einem Phänomene wie der Primacy-Effekt durch den Kopf. Vereinfacht besagt dieser, dass der Beurteiler sich schnell einen ersten Eindruck über den zu Beurteilenden bildet und versucht, sich diesen Eindruck im weiteren Verlauf zu bestätigen. Angenommen der erste Eindruck über eine Person ist negativ, dann beurteile ich diesen im weiteren Verlauf anhand dieser Grundlage. Ich versuche dieses negative Bild zu bestätigen und zu vertiefen. 

Angenommen wir haben Aufgaben in einer Klausur, in der es kein direkt richtig und kein direkt falsches Ergebnis gibt, sondern Raum für eine interpretative und individuellere Leistungsbeurteilung gelassen wird. Was ist, wenn ich Student Y negativer bewerte, weil ich diesen generell für leistungsschwach halte? Und im Gegenzug Student X in ähnlicher Situation positiver bewere, weil ich diesen eben für generell klug und symphatisch halte?

Nun stellt sich die Frage, ob bei Prüfungsleistungen (bspw. Klausuren oder Hausarbeiten) Meinungen oder persönliche Einschätzungen über Student Y oder X beeinflussend in der Leistungsbeurteilung wirken können. Möglich wäre eine verfälschte Einschätzung der Leistung durch den eben genannten Effekt.

Des Weiteren korrigieren Dozenten die Klausuren ohne fremde Hilfe bzw. "externe" Einflüsse. Das heißt, dass die Beurteilung ohne einen zusätzlichen eventuell objektiveren Faktor vorgenommen wird.

Die Lösung dem entgegenzuwirken: Die alleinige Nutzung der Matrikelnummern bei Leistungen. Jeder Student verfügt über eine individuelle sechsstellige Identifikationsnummer, die in Klausuren etc. genutzt werden könnten - und das ausschließlich. Vorteil hier ist die Annonymisierung des Studenten. 

Selbst wenn Dozenten behaupten würden, komplett frei  von Vor- bzw. Werturteilen gegenüber ihren Studenten zu sein, wäre eine Anonymisierung der Prüfungsleistungen doch eine geeignete Präventivmaßnahme. Auf diese Weise würde die Gefahr solcher Verfälschungen gänzlich ausgeschlossen werden können. 

Das Vorbild: Studiengänge anderer Universitäten wie zum Beispiel die Georg-August- Universität in Göttingen. Die bewerteten Klausuren werden unter Aufsicht des Dozenten in einem Raum ausgelegt. Diese werden dann nach den letzten Ziffern der Matrikelnummern sortiert und ausgelegt. Jeder Student kann sich bei der Klausurenvergabe die Klausuren abholen und sich an der letzten Ziffer der Nummer orientieren. Dies ist jedenfalls bei dem Studiengang "Rechtswissenschaften" der Fall gewesen.

Dies auch in unserer Hochschule so zu handhaben, wäre doch eine Anregung, oder etwa nicht?

 

 

Text/Bild: Chiara Matzner