zum sexuellen MosterdKüchen. Küchen sind sehr spannende Orte. In meiner Zeit in Lingen habe ich bereits sehr viel Zeit in Küchen verbracht und dabei viel über ihre Bedeutung gelernt. Für eine Studentenbude braucht man eigentlich nur zwei Dinge. Man braucht ein Bett und eine Küche! Fehlt eines von beidem, dann herzlichen Glückwunsch, du bist am Arsch.

Warum man ein Bett braucht, muss und will ich an dieser Stelle nicht erläutern, denn ich denke jeder kennt die Antwort und außerdem möchte ich heute über Küchen reden. Kommen wir also wieder zurück zu Küchen. Küchen sind nämlich viel wichtiger. Küchen sind wahre Multitasker. Als ich noch im Wohnheim gewohnt habe, habe ich wahrscheinlich mehr Zeit in der Küche, als an irgendeinem anderen Ort verbracht. Mein Lebensmittelpunkt lag ein Semester lang in dieser heiligen Halle. Unserer Küche. Ein Ort, der immer noch eine gewisse Magie auf mich auswirkt. Denn obwohl er eigentlich immer echt eklig war, war sie mehr als nur der Ort, an dem ich mein Essen gekocht habe. Hier konnte ich stundenlang am Küchentisch sitzen und über die Bedeutung der Zeit und der Bedeutung des Lebens im Allgemeinen sinnieren.

In jeder Küche, in der ich bis jetzt war, gab es irgendein Highlight. Ob das nun der selbstgebaute, viel zu große Küchentisch, die poetische Kühlschranktür oder der Kontaktgrill ist. In diesen WGs ist die Küche der Mittelpunkt des Lebens ihrer Bewohner.

Letztens war ich wieder in so einer Küche. Aber eigentlich ist es gar keine normale Küche, denn es ist die Küche „Zum sexuellen Mosterd“. Es ist die perfekte Kombination aus Küche, Wohnzimmer, Restaurant und Bar. Im sexuellen Mostert trifft sich das Who-is-Who des Netto-Ghettos und ganz Lingens. Ich bewundere die Bewohner des sexuellen Mosterts dafür, dass sie das alles aushalten. Denn sie haben ihre Zwei-Zimmerwohnung in eine Mischung aus Bar und Jugendzentrum verwandelt. Hier findet man die Nachtschwärmer wieder, die noch irgendwas erleben müssen, bevor sie wieder viel zu spät ins Bett gehen. Ich weiß schon gar nicht mehr wie oft ich da war und auch nicht wie oft ich fast am Esstisch eingeschlafen wäre.

Ich möchte den Wirten des sexuellen Mosterds danken. Denn ich habe dort sehr viel gelernt und erlebt. Ob es nun die Teekanne ist, die immer überläuft, die abstrusen Abkürzungen – ich meine ganz ehrlich, WAMA und HOSI klingt schon echt bescheuert – oder der Grundkurs in menschlicher Anatomie ist, den man mit einem Blick auf eure Wand bekommt.  

In diesem Sinne verabschiede ich mich und mache mich auf den Weg ins Netto-Ghetto. Ich bin gespannt, wen man heute Abend alles im Mosterd trifft.

 

Text/Bild: Moritz Rohde