???Der morgendliche Blick in den Spiegel sorgt nicht immer für Zufriedenheit. Kleine Makel hat bekanntlich jeder. Doch mittlerweile nimmt der Schönheitswahn immer abstrusere Züge an. Schaltet man beispielsweise Donnerstagabend den Fernseher ein, bietet sich folgende Szene: Einer 16-jährigen wird in einer Modelshow gesagt, sie sei zu dick. Verständlich, wenn das Mädchen an Adipositas leiden würde, nur trägt sie geschätzt Größe 34/36… Dass die Modelwelt hart ist, hört man ja immer wieder, aber es geht noch krasser.

Im TV laufen mehr und mehr Sendungen, in denen Menschen ihre vermeintlichen Makel, die für den Zuschauer zu 80 Prozent nicht zu erkennen sind, operieren lassen, um sich „endlich wieder wohl im eigenen Körper zu fühlen“. Zufrieden mit sich selbst zu sein und sich wohlzufühlen, ist sicherlich erstrebenswert. Nur muss man dafür aussehen wie eine lebende Barbie? Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen oft sehr weit auseinander. Die Schönheitsindustrie boomt, die ästhetischen Chirurgen freut’s. Anders ist die Lage in der Unfallchirurgie. Sich nach einem Unfall, einer Verbrennung oder Verätzung chirurgisch helfen zu lassen, hat nichts mit dem gängigen Schönheitswahn zu tun.

„Wer schön sein will, muss leiden“, wer kennt diesen Spruch nicht? Früher hieß das, beim Haarekämmen die Zähne zusammenzubeißen oder auf das Stück Kuchen zu verzichten, um in die neue Hose zu passen. Doch welche Bedeutung hat dieses Sprichwort heutzutage? Wendet man sich an die Medien, findet man scheinbar Antworten: In den USA spritzt eine mehrfach operierte Blondine ihrer zehnjährigen Tochter Botox. Eine andere Mutter zwingt ihre Sechsjährige zu Schönheitswettbewerben, weil es mit Muttis Traum selbst nie funktioniert hat. In einer anderen Sendung wünscht sich ein Mädchen zu ihrem 16. Geburtstag von Papi neue Brüste…

Bei all dem Wahn um Schönheit, Ästhetik und unerreichbare Ideale, sollte man einige Dinge nie vergessen: Auch Models werden von oben bis unten ‚gephotoshopped‘, einige Trends sind nach einer Saison wieder out und was wirklich zählt, beziehungsweise zählen sollte, sind der Charakter und die Zufriedenheit eines jeden Menschen – egal ob mit oder ohne Makel.

 

Text/Bild: Olivia Klaes