KalteDuschegroWas gibt es schöneres? Es ist Mittwochmorgen und du hast ausnahmsweise mal vor 10 Uhr Uni (von diversen Dozenten übrigens auch als „unmenschliche Zeit“ bezeichnet; wie machen das eigentlich diese ganzen anderen arbeitenden Menschen?!). Du stellst dich unter die Dusche, drehst den Hahn auf, wartest einige Sekunden ab und dann wird es dir schlagartig bewusst: Dieses Wasser wird heute nicht mehr warm! Du bist dir sofort sicher, denn du weißt, dass dieser Tag überfällig war. Er würde kommen, denn er kam auch schon die letzten Monate mindestens ein oder zwei Mal.

Alle Planungen und Vorsätze für den Tag sind mit einem Mal über den Haufen geworfen. Gehe ich jetzt überhaupt noch zur Uni? Werde ich das Bett, wenn ich mich nochmal reinlege überhaupt nochmal verlassen? Die kalte Dusche wirft ungeahnte Grundsatzfragen auf. Gleichzeitig frage ich mich, und freue mich dabei ein bisschen, ob es den anderen Bewohnern im Haus gerade genau so geht.

Die Letzten Male war es noch viel schlimmer. Da wusste nämlich noch keiner woran es liegt, dass in regelmäßigen Abständen das komplette Haus kaltes Wasser hat. Seit einigen Wochen ist bekannt: In unserem Keller befindet sich ein riesiger Speicher mit Pellets, welche durch ein bestimmtes Konstrukt in den Ofen geschossen werden. Man entschuldige meine technischen Ungenauigkeiten, ich studiere Kommunikationsmanagement. Ein Sensor gibt Bescheid, wann der Ofen genug hat und keine Pellets mehr nachgeschossen werden müssen. Leider stauben die Pellets jedoch und nach gewisser Zeit gibt der dadurch staubbedeckte Sensor Fehlinformationen weiter, da er denkt der Ofen ist schon voll. Die Folge: keine Pellets mehr, kein warmes Wasser.

Während ich mir diesen Prozess versuche bildlich vorzustellen, stehe ich auch schon samt Kopf unter dem Wasserstrahl und verfluche die Welt. Der sonst so geliebte und von Entspannung geprägte Vorgang des Duschens wird zum hektischen Einseifen und endet in Ansätzen von Hyperventilation.
Wer kennt das nicht?

Doch tatsächlich gibt es etwas noch schöneres. Es ist Dienstagabend und du hast morgen ausnahmsweise mal vor 10 Uhr Uni. Vor dem Schlafen gehen putzt du dir noch die Zähne und merkst, wie das Wasser nur noch lauwarm wird. Du weißt sofort: Morgen wird das Wasser kalt sein. Der Ablauf am Morgen danach ist der gleiche wie oben beschrieben. Nur dieses Mal konntest du dich schon die ganze Nacht darauf freuen.

Aber wenn wir mal ehrlich sind, ist das doch alles gar nicht so schlimm. Es macht uns Spaß sich über die kalte Dusche aufzuregen, denn sie gibt uns eine Ausrede zu Hause zu bleiben und man kann sich nebenbei auch noch so schön selber bemitleiden. Am Ende stehen wir trotzdem alle drunter und der Moment, wenn du die Dusche verlässt, erfüllt bestimmt nicht nur mich jedes Mal mit ein klein wenig Stolz, da man es mal wieder geschafft hat. Abgesehen davon fühlt man sich einige Minuten danach echt gut. Eigentlich sollten wir der kalten Dusche also dankbar sein. Zumindest bis sie das nächste mal auftaucht.

 

Text/Bild: Moritz Pfingsten