herbst textDer Herbst. Eine von vier Jahreszeiten hier bei uns. Seit dem 22.September ist er da.

Ich mag den Herbst. Zumindest die Tage, an denen die Sonne scheint und das bunte Laub in den Bäumen wippt. Diese Tage, an denen man stundenlang spazieren gehen kann. An denen die Sonne durch die Baumwipfel glitzert. An denen man Kastanien und bunte Blätter sammelt, einen heißen Kakao trinkt und den Tag gemütlich ausklingen lässt.
Aber ich lebe in keinem Rosamunde Pilcher Film, in dem der Herbst täglich so aussieht.

Ich erlebe den richtigen, den wahren Herbst. Mit erkälteten Menschen überall, die jeden Tag ihre Bakterien durch unvermeidliches Niesen in die Gegend schleudern. Tage mit nicht enden wollendem Regen. Und ich rede hier nicht von einem kurzen, reinigenden Platzregen. Ich rede von dem kalten, nassfeuchten Nieselregen, der einem durch Mark und Bein fährt.
Und dann Pfützen. Pfützen, denen man schon nicht mehr aus dem Weg gehen kann. Weil sich die vielen kleinen Pfützen zusammenrotten und so selbst Stiefel durchnässen.
Tückisch ist, dass man die Pfützen nicht einmal bemerkt. Nebel und die ständige Dunkelheit machen jeden Spaziergang zu einem Spießrutenlauf.
In diesem Jahr scheint der Herbst in Punkto Dunkelheit, zumindest in unserer Region, noch eine Schippe draufgelegt zu haben.
Alles ist grau, nass und trostlos. So kommen nicht einmal mehr die schönen bunten Blätter zu ihrem kurzen Auftritt. Sie werden stattdessen einfach von den Bäumen geregnet und verrotten am Boden.

Und mit diesen Eindrücken wandert man dann in fast völliger Dunkelheit zur Uni. Naja, zumindest wenn man vor dem Mittag aufsteht. Motivation? Bei dem Wetter Fehlanzeige.
Und das obwohl die Hochschule und der Lernstoff nach Aufmerksamkeit nur so lechzen. Trotzdem möchte man sich am liebsten mit einer Tasse Tee in der Hand unter eine Decke kuscheln, und einfach so lange im Bett liegen bleiben bis alles vorbei ist.

Aber jetzt muss ich tatsächlich nach draußen. Welche Jacke ziehe ich an? Die Temperaturen schwanken zwischen fünf und dreizehn Grad. Eine Winterjacke? Eine Übergangsjacke? Einen dicken Rollkragenpulli? Oder das dünne Sweatshirt? Zugegeben, dieses Problem haben vorwiegend wir Frauen. Jeden Tag aufs Neue muss ich darüber nachdenken und die Wetter-App checken, bevor ich nach draußen gehe.

Dieses Jahr beginnt der Winter offiziell erst am 21.Dezember, also noch gute drei Wochen Herbst.
Ich wünsche mir Winter. Ja, wirklich. Da weiß man zumindest was man hat. Schnee, Kälte, Winterjacke, Mütze, Handschuhe  und tolle Feiertage. Und vielleicht sogar ein bisschen Sonne.
Und Tage, an denen die Landschaft weiß eingeschneit ist, die Lichterketten in den Fenstern schaukeln und Kinder lachend mit ihrem Schlitten an mir vorbeirodeln. Diese Tage voller Plätzchenduft, Bratäpfeln und Glühwein. An denen alles so harmonisch ist, weil ja Weihnachten vor der Tür liegt. Oder ist das auch nur wieder Rosamunde Pilcher? Winter, enttäusche uns nicht!

Ich mag den Herbst nicht. Zumindest nicht in diesem Jahr. Aber ich hoffe auf einen goldenen Herbst im nächsten Jahr. Bis es soweit ist, träume ich von einem weißen Winter, der genauso filmreif wird wie der grüne, strahlende Frühling. Wo an jedem Tag die Vögel zwitschern und die Sonne unsere Nasen kitzelt. Und dann kommt der wunderbare Sommer mit Strand, Sonne und Meer. An dem wir jeden Tag Eis essen und mit Cocktails in der Hand am Strand liegen. Von wegen Rosamunde Pilcher. Das wird bestimmt genauso sein und nicht anders.
Der Herbst hat also noch Zeit. Zeit auf der stillen Treppe. Zeit um nachzudenken, was er im nächsten Jahr besser machen kann.

Text/Bilder: Nicole Große Höötmann