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Möglichst früh eingeschult werden, Abitur in zwölf Jahren, mit viel Nachdenken vielleicht ein Jahr Pause zwischen die Schul- und die Studienzeit quetschen, dann an die Uni oder Hochschule und in sechs Semestern durch den Bachelor rasen. Und dann? Mit höchstens 23 Jahren in den Beruf starten, aus Angst, man sei sonst zu alt für den Arbeitsmarkt?

Die Regelstudienzeit ist vor dem Studium erst mal etwas, über das man sich keine oder kaum Gedanken macht: „Das ist halt so.“ Der jeweilige Bachelor ist auf sechs Semester ausgelegt, also beginnt man das Studium auch mit der Aussicht, drei Jahre zu studieren. 

Und dann kommt man ins zweite, dritte, vierte Semester und entdeckt so viele Dinge, die man gerne machen würde, für die aber einfach die Zeit fehlt: Ein Praktikum, das mal länger als die gängigen drei Monate dauert, der Nebenjob, ein freiwilliges Auslandssemester oder einfach die Aussicht, aus einem Semester den Stress zu nehmen und es auf zwei aufzuteilen. 

Viele verzichten dann auf diese Chancen oder nehmen sie nur halbherzig wahr. Zu groß ist die Angst, durch ein, zwei angehängte Semester schlechtere Jobchancen zu haben. Oder von Personalern abwertend gefragt zu werden, warum man denn über die Regelstudienzeit hinaus studiert habe. 

Dabei wurde die Regelstudienzeit nicht eingeführt, um Studenten möglichst schnell wieder loszuwerden, sondern um verschiedene Studiengänge miteinander vergleichen zu können. Es zeugt also noch lange nicht von Faulheit oder mangelnder Intelligenz, die Studienzeit ein wenig auszudehnen. 

Ausnahmen bestätigen die Regel, das gilt auch hier: Solange man es nicht übertreibt und zum Langzeitstudenten wird, hat auch kein Personaler etwas gegen einen Bewerber, der sechs Monate länger immatrikuliert war. Im Gegenteil: Jemand, der einen interessanter Lebenslauf und was zu erzählen hat, bleibt viel besser im Gedächtnis. 

 

Ich wünsche euch einen schönen Tag, eure Vicky