Es ist Nacht und du schläfst – besser gesagt, du liegst im Bett und versuchst zu schlafen. Und wenn du gerade weggeschlummert bist, wird draußen auf dem Flur geräuschvoll mit der Tür geknallt und über den Flur getrampelt, als sei da eine ganze Elefantenherde unterwegs.

Verärgert knirscht du mit den Zähnen, grummelst etwas Unverständliches vor dich hin und rollst dich müde auf die andere Seite.

Zweiter Versuch.

 Es dauert ein bisschen, doch dann gleitest du wieder in den Schlaf…jedoch dauert es keine zehn Minuten bevor du erneut aufschreckst: „NEIIIIIIIIN, wir verlieren!“, brüllt da jemand durch die Wohnung. Jemand, der scheinbar sehr impulsiv am zocken ist und seinen Frust über die drohende Niederlage einfach raus lassen muss. Das musst du jetzt halt einfach mal so hinnehmen.

Am nächsten Morgen erwachst du nach einer relativ unruhigen Nacht (es wurde besser, nachdem der „Zocker“ in den frühsten Morgenstunden auch endlich ins Bett gegangen ist), stehst auf und schlurfst noch im Halbschlaf ins Badezimmer. Dort erwartet dich erst einmal einen ziemlich fieser Kälteschock und dir gefriert das Blut in den Adern. Schuld daran ist das Fenster. 

Sperrangelweit aufgerissen (da war wohl jemand vor Stunden duschen -  und hat es dann nicht wieder zu gemacht). Heizung läuft dabei natürlich auf Vollpower und das Licht ist auch noch an  - man zahlt ja schließlich Warmmiete.

Im Waschbecken (und leider auch mal auf der Klobrille) warten Haare (die nicht deine eigenen sind) darauf, dass man sie endlich wegspült, am Spiegel klebt Zahnpasta und die leere Klopapierrolle findet einfach keinen Weg in die Altpapiertonne. Nach deiner Morgentoilette hilfst du der leeren Klopapierolle dabei und spürst, wie dir der Magen knurrt.

Hungrig machst du dich auf den Weg in die Küche und sobald du im Raum stehst kommt dir eine Duftwolke entgegen, die es dir leicht macht, zu erraten, was es am Vorabend wohl zu essen gab. Warum denn lüften, könnte man meinen: Bratengeruch statt frischer Luft ist doch momentan total angesagt!

Du entscheidest dich für Müsli zum Frühstück, nachdem du feststellen musstest, dass dein Obst leider vorzeitig entsorgt worden ist (na gut, einige braune Stellen hatte die Banane schon).

Während du dann so dasitzt und dein Müsli mit dem Teelöffel löffelst, weil nichts anderes mehr in der Schublade zu finden war, starrst du auf den bedenklich schiefen Geschirrturm von Lingen im Spülbecken, der zu klirren beginnt, sobald der nächste Zug draußen vor dem Haus vorbeirauscht…

Auf dem Weg zur Hochschule stolperst du dann zu allem Überfluss noch über die Schuhe, die jemand einfach mitten in den Türrahmen und damit absolut in den Weg gestellt hat und bemerkst, dass mal wieder niemand daran gedacht hat die Mülltonnen an die Straßen zu bringen. Es ist ja nicht so als würde kein Abholkalender am Kühlschrank hängen…Na ja eigentlich bräuchte man eh nur eine Mülltonne für alles, denn Mülltrennung ist auch nicht gerade die Stärke der anderen…

Dir kommt die eine oder andere Situation bekannt vor und du weißt ganz genau wovon ich hier spreche? Herzlichen Glückwunsch, du scheinst in einer leicht chaotischen, aber dennoch sympathischen Wohngemeinschaft zu wohnen!  Kurzum: du erlebst den ganz normalen WG-Wahnsinn mit lieben, aus dem WG-Leben nicht wegzudenkenden Mitbewohnern.

Das WG-Leben bringt natürlich einige attraktive Vorteile mit sich: Man teilt sich die Miete und gegebenenfalls sonstige Kosten, hat oft mehr Platz als in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung und vor allem ist das WG-Leben viel geselliger als die Single-Wohnung.  

Doch leider ist nicht immer alles Friedefreudeeierkuchen beim Zusammenleben. Man wohnt zusammen auf relativ engem Raum und lernt einander wirklich(!) gut kennen. Dabei lernt man dann mehr oder weniger unfreiwillig die ein oder andere Angewohnheit oder Marotte des Mitbewohners kennen. Positive, wie negative. Letztere sind manchmal einfach nur unschön, manche echt eklig.

Oft hilft dabei nur eins: Student, ärgere dich nicht.

Das Zusammenleben in einer WG hat auch seine schönen Seiten und ist einfach viel geselliger als die Single-Studenten-Bude. Den „perfekten Mitbewohner“ habe ich noch niemals getroffen und ich bin mir relativ sicher, irgendwas stört einen am anderen immer (es sei denn, man lebt allein).

Und wenn mal wieder niemand den Müll runtergebracht und niemand den Staubsauger ausgeleert hat: durchatmen. Ärgere dich nicht! Das ist der ganz normale WG-Wahnsinn.

 

Text / Bild: Sabrina Bindernagel