Eine wichtige EntscheidungBestimmt wieder nur einer von den gefühlt 1000 Newsletter, die ich bekomme.
„Zulassung im Nachrückverfahren“ stand in der Betreffzeile. Ich glaube noch nie hat der Betreff einer Email mein Herz so schnell schlagen lassen, wie in diesem Moment.

Ich saß im Büro in Duisburg. Nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau im Sommer wurde ich übernommen und hatte mich inzwischen an den Gedanken gewöhnt, noch ein Jahr dort zu arbeiten und mich im nächsten Wintersemester noch einmal an den Hochschulen zu bewerben. Gar nicht so schlecht der Gedanke.

Und plötzlich ist alles anders

Mir schossen so viele Fragen durch den Kopf. Zwei Tage hatte ich Zeit, die Zulassung anzunehmen oder abzulehnen. Und in genau sieben Tagen würde es schon losgehen in Lingen. Lingen? Habe ich noch nie gehört, bevor ich mich dort beworben hatte. Bei all den Gedanken um den Umzug und die ganzen Dinge, die ich jetzt möglichst schnell erledigen musste, blieben sie auf einmal bei einer Person stehen: Meinem Freund. Ja, natürlich war uns klar, dass es sehr wahrscheinlich auf eine Fernbeziehung hinauslaufen würde. Pforzheim und Wiesbaden, zwei der Städte, in denen ich mich auch um ein Studium beworben hatte, sind schließlich auch nicht um die Ecke, wenn man aus Velbert, einer Stadt in der Nähe von Essen kommt. 

Aber irgendwie hatte ich bisher immer genau hier aufgehört, wirklich weiter zu denken: Bei einer Zulassung und bei dem, was es für uns bedeutet.
Und plötzlich hatte ich Angst. Schaffen wir das? Ständig liest man in Frauenmagazinen, wie man Fernbeziehungen meistert. Sie kommen in der heutigen Zeit doch eh immer öfter vor.
Aber schaffen wir es auch?
Und reicht es mir, es bloß zu schaffen? Ich meine, eine Beziehung besteht doch nicht daraus, ständig darum zu kämpfen, Kompromisse zu schaffen und sich zu vermissen, oder?

Seit etwas über fünf Jahren waren wir zu diesem Zeitpunkt zusammen. Meine erste große Liebe. Natürlich sind mir all diese Gedanken nicht in den paar Sekunden gekommen. Ich habe meine Schwester angerufen. Und dann meine Mutter. Sie fragte mich, ob ich die Zulassung wirklich annehmen möchte. Mein erstes Bauchgefühl, war ein lautes „Ja“! Und genau diesen Satz, dass wir das zusammen alles in einer Woche schaffen, wenn ich es möchte, brauchte ich.
Und schon ca. eine Stunde nachdem die Email der Hochschule Osnabrück bei mir eingetrudelt ist, habe ich geantwortet.

Den Umzug haben wir tatsächlich gut geschafft und plötzlich lag da nicht mehr 1 km zwischen mir und meinem Freund, sondern 150 km. Was uns aber noch mehr trennte, war unser Alltag. Ich sammelte direkt zu Beginn viele neue Erfahrungen. Dadurch, dass alles so plötzlich kam, prasselten tausende von neuen Eindrücken auf mich hinab. Und die teilte ich alle mit meinem Freund. Wir skypten täglich. Bis mein Internet ausfiel. Dann telefonierten wir mehrmals täglich.

Ja, natürlich habe ich ihn vermisst, vor allem in den ersten Wochen. Wir haben uns vor meinem Umzug schließlich jeden Tag gesehen. Aber vielleicht wäre es auch genau deshalb irgendwann schiefgegangen. Wegen des Alltags. Vielleicht hätten wir uns bald nichts mehr zu erzählen gehabt.

Ich zeigte ihm mein neues Leben. Er konnte mich zum Glück oft besuchen und bis heute waren wir durch mein Studium nicht länger als zwei Wochen getrennt.

Heute weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war, auszuziehen und meinen Platz an der Hochschule anzunehmen. Für mich und für uns. Wir haben es nicht nur geschafft, wir haben es gemeistert und das ganz automatisch, ganz von alleine und ohne große Anstrengung.

Keine Angst vor Veränderungen

Veränderungen sind nur sehr selten etwas Negatives im Leben. Oft trauen wir uns nicht und sind unsicher. Ich glaube, manchmal müssen wir raus aus unserer Komfortzone, damit wir uns weiterentwickeln können und damit es in unserem Leben weitergeht. Und die Zukunft wird ständig weitere Veränderungen bringen. Aber sonst wäre es ja auch langweilig, oder? Und wenn wir Glück haben, studiert mein Freund bald in Osnabrück. Dann würden sich die Kilometer, die zwischen uns liegen, ungefähr halbieren. Und inzwischen bin ich mir sicher, dass wir auch diese Veränderung meistern und nutzen werden.

 

Text/ Bild: Julia Wagner