Genähte TascheNähen, Stricken, Häkeln  –  da hat man doch gleich die Oma im Kopf, die auf dem Sofa sitzt und wieder ein paar Socken strickt… Doch Moment mal! Häkeln? Hatte eine Kommilitonin nicht im letzten Winter noch erzählt, dass sie sich ihre erste „MyBoshi“-Mütze gehäkelt hat? Und die kleine Schwester meiner Freundin ihren Kindergeburtstag in einem „Nähcafé“ feiert?

Jaa…was vor nicht allzu langer Zeit noch als spießig, altmodisch und teilweise lächerlich galt, ist heute das coole neue Ding: Selbermachen, oder neudeutsch „Do It Yourself.“, kurz „DIY“.  Egal ob basteln, handarbeiten, renovieren oder kochen – der Trend zum Selbermachen kehrt zurück.

Schaut man sich den Bereich „Handarbeiten“ genauer an, kann man schon von einem regelrechten Comeback des verstaubten „Oma-Hobbys“ sprechen. „Handarbeit“ geben in Deutschland mittlerweile 66 Prozent der Frauen als Hobby an. Nur alte Omas denkst du? Nein, genau das ist das Interessante. Mehr als ein Viertel der Handarbeiterinnen sind zwischen 14 und 39 Jahre alt, wie eine Studie der GfK Nürnberg, im Auftrag der Initiative Handarbeit, ergab. Es ist also deutlich zu erkennen, dass sich die Handarbeits-Szene verjüngt. Immer mehr junge Leute gehen dem kreativen Hobby nach.

NähmaschineUnd auch ich zähle nun das „Nähen“ zu meinem Hobby. Gestartet habe ich kurz vor Beginn meines Studiums, zusammen mit einer Freundin,  in einem Bielefelder Nähcafé. Der Kurs hieß „Nähführerschein“. Genau der richtige Kurs für uns Anfänger. Mein erstes Nähprojekt war ein Loop. Wenn ich heute daran zurück denke, ist es gleich wieder da – dieses Gefühl von Stolz. Man hat ein Unikat geschaffen. „Unikate schaffen“ – ich glaube, genau das ist einer der Gründe für diesen neuen „Hype“. Die Leute wollen nicht mehr alles von der Stange kaufen, sie wollen sich von der Massenindustrie abgrenzen, selber kreativ sein und ihre eigenen Werke schaffen. Dinge, die eben nicht von Kinderhänden in China gefertigt wurden und an jeder Ecke zu kaufen sind. Vielleicht sind es auch die zunehmend digitale Welt und der hektische Alltag, die das Bedürfnis nach einem Ausgleich wecken. Insgesamt kann ich von mir sagen, dass es einfach großen Spaß macht und ich gut auf andere Gedanken komme. Es gelingt mir, vom Alltag abzuschalten und meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ganz allgemein würde ich sagen: früher haben die Leute genäht und gestrickt, um Geld zu sparen, heute hingegen um kreativ zu sein! Ich als Anfängerin nähe keine aufwendigen Kleider oder ähnliches, sondern eher Accessoires, mal eine Tasche, mal ein Kissen, besonders gerne nähe ich Mützen & Co. für meine kleine Nichte. Denn etwas selbst Gemachtes zu verschenken, gibt einem ein ganz besonderes Gefühl. Es steckt so viel Zeit und Liebe darin, dass es dadurch einfach ganz individuell und einmalig wird, es erhält einen persönlichen Wert. Das ist wie mit selbst gebackenen Plätzchen, die schmecken doch auch am besten, oder?

NähprojektDass das Nähen nicht nur mich begeistert, sieht man auch ganz besonderes in den sozialen Netzwerken. Auch hier ist der Trend deutlich ersichtlich. Facebook, Pinterest, Instagram – die Plattformen wimmeln von Postings, Bildern und Gruppen von DIY-Fans. Die Leute tauschen sich aus, sammeln Ideen und pushen sich gegenseitig. Das Foto vom fertig genähten Werk wird hochgeladen und man wird durch „Likes“ bestätigt. Man erhält schnell ein Feedback der anderen und motiviert sich dadurch untereinander. Durch diesen regen Austausch wird der Trend auch schnell verbreitet und weitergegeben. Neben Facebook und anderen sozialen Netzwerken gibt es unzählige DIY-Blogs mit Anleitungen, Tipps und Tricks. Oder eben auch zahlreiche YouTube Videos. Es finden sich ausführliche Anleitungen zu:  „wie näh‘ ich eine Tasche“, „wie näh‘ ich einen Loop“ – alles wird Schritt für Schritt erklärt. Auch ich habe schon viele Videos gefunden, die mir bei meinen Projekten weitergeholfen haben. 

 

 

NähcaféDennoch finde ich auch den direkten Kontakt zur Kursleiterin und anderen sehr schön und wichtig. „Nähcafés“ bieten Kurse und Workshops in gemütlicher Runde an. Außerdem kann man sich vor Ort eine Nähmaschine mieten, wenn man keine eigene Maschine zu Hause hat. Eigentlich vergleichbar mit früheren Internetcafés – dort ging es ja auch nicht darum, ein Stück Erdbeertorte zu erhalten :-). Kaffee, Tee und dergleichen sind aber in einem Nähcafé durchaus erhältlich und schaffen eine tolle Atmosphäre. München, Berlin, Hamburg – immer wieder hört man von neu eröffneten Nähcafés. Und nun hat tatsächlich Anfang des Jahres auch hier in Lingen ein Nähcafé eröffnet! Wirklich toll, wenn man lieber in Gemeinschaft näht und sich so mit anderen austauschen und gegenseitig helfen kann.

Genähte WerkeDu sagst jetzt Unikate sind zwar cool, aber auf Selbermachen hast du keinen Bock und davon abgesehen hast du auch überhaupt keine Zeit dafür? Dann habe ich noch einen Tipp: „DaWanda“ – ein Online-Marktplatz für Selbstgemachtes und Unikate. Kreative und Designer verkaufen unter dawanda.com ihre Unikate und Produkte in limitierter Auflage. Es sind viele tolle Sachen aus den Bereichen Taschen, Schmuck, Vintage oder Wohnen zu finden. Bei der Suche nach einem individuellen Geschenk, wirst du hier schnell fündig.

 

Text/Bilder: Elena Meyerink

Quelle: www.initiative-handarbeit.de/de/Presse/meldungen/Marktinformation2013.php