Auszeit Klein Larissa„Mach dir nicht so einen Kopf - Du bist doch noch jung!“ Ein Spruch, den wohl die meisten von uns nur gut kennen und schon oft gehört haben. Ein lieb gemeinter Ratschlag, aber meistens hilft er einem in seiner Situation dann doch irgendwie nicht wirklich weiter.

 

In den Nachrichten hört man ständig, wie selbstbewusst und frei die jungen Leute heutzutage leben. Es geht darum, immer flexibler und abenteuerlustiger zu werden: so schnell wie möglich Abitur, Auslandsaufenthalte, Fernbeziehungen, ein Fernstudium neben dem normalen Studium, Flexibilität im Job... Die jungen Leute meistern anscheinend all dies mit Links und ohne Probleme.

Also alles easy, alles super! Oder etwa doch nicht immer?!

 

An manchen Tagen bekommt man beinahe stündlich Eilmeldungen von Terrormeldungen. Wieder ein Anschlag in Frankreich, wieder ein Absturz eines Flugzeugs... bin ich die Route im letzten Sommer nicht auch noch geflogen? Schaltet man den Fernseher ein, wird man überschüttet mit schrecklichen Bildern von Anschlagsopfern oder weinenden Kindern, die auf der Flucht sind und ihre Eltern verloren haben. Die Medien berichten über den Tod von bekannten Sängern und Politikern. Man hört und liest von Krankheiten, die plötzlich allseits präsent zu sein scheinen. Auf Facebook schütten sich Menschen Wassereimer über die Köpfe und überall steht auf einmal etwas von einer unheilbaren Krankheit namens „ALS“. Gibt man den Begriff bei Google ein, wünscht man sich ein par Sekunden später, dass man es besser gelassen hätte denn die Informationen erschrecken und machen Angst.

 

Es fällt schwer sich auf sein Studium zu konzentrieren und sich über die Inhalte der Seminare in aller Ruhe und Muße Gedanken zu machen. Plötzlich sind da diese Fragen im Kopf: Bekomme ich bei den prekären Arbeitsverhältnissen, die mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt herrschen, nach meinem Studienabschluss überhaupt einen guten Job? Was ist, wenn ich durch mein Auslandssemester doch nicht in der Regelstudienzeit bleibe und zurückfalle? Reichen meine Noten überhaupt aus, um mithalten zu können? Welcher Master ist am besten oder wäre es nicht vielleicht sogar besser gleich zwei Master vorweisen zu können?

 

Plötzlich ist nicht mehr alles so easy und locker. Man beginnt zu zweifeln, bekommt Angst und weiß plötzlich nicht mehr, was man eigentlich wirklich möchte in seinem Leben.

 

Durch den zunehmenden Leistungsdruck in unserer Gesellschaft und durch die zahlreichen Informationen, die täglich auf uns einströmen, fällt es manchmal schwer, den Kopf freizubekommen. Es fällt schwer, sich von seinen Gedanken und Ängsten loszumachen.

Es gibt kein Allgemeinrezept, das jedem von uns dabei hilft, diese Ängste abzuwerfen. Trotzdem können wir uns selbst helfen, indem wir uns eine Auszeit gönnen und Dinge machen, die uns Freude machen. Bei dem Einen ist das ein schöner Spaziergang in der Natur, bei dem Anderen ein Treffen mit Freunden in der Eisdiele. Nach hause zu seiner Familie fahren, einen leckeren Kuchen backen oder einfach nur ein gutes Buch lesen und Musik hören.

Es geht nicht darum, die Dinge, die in der Welt passieren, zu verleugnen...es geht darum, seine innere Stimme wiederzufinden, die einem in schweren Zeiten Halt gibt und den Weg weist, wenn man sich unsicher fühlt. Manchmal tut es einfach gut, nicht über alles informiert zu sein, sondern einfach nur seinen eigenen Gedanken nachgehen zu können. Sich einfach mal Zeit für sich gönnen.

 

Text/Bild: Larissa Lotz