Organspende Klein Larissa LotzAls ich meine Freundin vor wenigen Tagen im Krankenhaus besuchte, fiel mir ein Plakat im Krankenhausflur zum Thema Organspende auf. Da ich selbst einen Organspendeausweis habe, war das Thema für mich nicht neu, aber mir wurde in dem Moment erst richtig bewusst, dass ich eigentlich trotzdem nicht genau über die Situation in Deutschland und den Ablauf einer Organspende Bescheid wusste. Als ich nach dem Besuch wieder nach Hause kam, setzte ich mich vor meinen Computer und fing an zu recherchieren.

 

In Deutschland warten etwa 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Jeden Tag kommen 15 Schwerkranke neu hinzu. Da jedoch täglich nur elf Transplantationen durchgeführt werden, gibt es für die restlichen vier Menschen nicht rechtzeitig ein Spenderorgan. Diese Menschen sterben.

Das Transplantationsgesetz regelt in Deutschland seit 1997 die Voraussetzungen und Abläufe der Organspende. Seit 2001 gibt das Gesetz vor, dass Bürger ab einem Alter von 16 Jahren angeschrieben und zur Abgabe einer Entscheidung zur Organspende aufgerufen werden. Das Gesetz schreibt außerdem vor, dass unabhängige Transplantationsbeauftragte die Handlungsabläufe in den Entnahmekrankenhäusern überwachen und bei nicht korrekter Angabe von Patientendaten ein Straftatbestand vorliegt.

Aber wer darf denn jetzt eigentlich Organe spenden? Es gibt keine Altersbeschränkung für eine Organspende. Ab dem vollendeten 16. Lebensjahr können Jugendliche ihr Einverständnis erklären. Vorher entscheiden die Angehörigen, ob eine Organspende durchgeführt werden soll oder nicht.

Eine Organspende kommt allerdings erst in Betracht wenn alle intensivmedizinischen Maßnahmen eine Lebensrettung nicht mehr möglich machen und der Hirntod festgestellt wurde. Dies betrifft nur eine sehr geringe Anzahl der in Krankenhäusern verstorbenen Patienten.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) organisiert alle Schritte des Organspendeprozesses (außer der Organvermittlung). Es geht um die intensivmedizinische Betreuung potenzieller Spender, die Meldung möglicher Spender und um die Entnahme und den Transport der Organe sowie deren Übermittlung an die Transplantationszentren. Die DSO stimmt die Zusammenarbeit zwischen bundesweit etwa 1.330 Krankenhäusern und etwa 50 Transplantationszentren ab. Koordinatoren der DSO führen zum Beispiel Gespräche mit den Angehörigen potenzieller Spender und informieren die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant falls eine Zustimmung zur Organspende erfolgt ist. Eurotransplant ist die zentrale Vermittlungsstelle für eine finanziell und organisatorisch unabhängige Organtransplantation. Eine Vermittlung erfolgt immer nach objektiven Kriterien (Dringlichkeit, Erfolgsaussichten und Chancengleichheit).

Je nachdem, welches Organ transportiert wird, müssen verschiedene Zeitspannen zwischen der Organentnahme und der Transplantation eingehalten werden. Bei Herz und Lunge beträgt die Zeitspanne lediglich vier bis sechs Stunden. Eine Niere wiederum kann innerhalb 24 Stunden transplantiert werden.

Organspender und -empfänger bleiben anonym. Der Organempfänger darf jedoch einen anonymen Dankesbrief an die Spenderfamilie schreiben.

 

Wie erkennen Außenstehende nun, dass man seine Organe spenden möchte? Hierfür gibt es den Organspendeausweis. Man bekommt ihn zum Beispiel in vielen Arztpraxen, von seiner Krankenversicherung, bei Pass- und Meldeämtern oder auch als Druckversion.

70 Prozent der Bürger wären bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Allerdings halten nur wenige Menschen ihren Wunsch schriftlich fest. Deswegen sind Angehörige eines verstorbenen Menschen oft unsicher und kennen den Willen des Verstorbenen nicht. Deswegen ist es wichtig zu Lebzeiten zu einer persönlichen Entscheidung zu kommen. Man kann sich auf dem Ausweis generell für eine Organspende aussprechen oder aber die Spende auf bestimmte Organe eingrenzen. Niemand muss mit einem solchen Ausweis allerdings befürchten, sich endgültig festzulegen. Wenn man seine eigene Einstellung zur Organspende im Laufe der Zeit ändert, kann man den Ausweis jederzeit wieder vernichten.   

Auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung findet man umfangreiche Informationen zum Thema. Dort kann man auch persönliche Geschichten von Organspendeempfängern lesen und so die individuellen Schicksale hinter der Transplantation kennenlernen.

 

Organspende2 Klein Larissa LotzNachdem ich mich nun nochmal intensiver als zuvor mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt habe, bin ich froh darüber, meinen Organspendeausweis in meinem Portemonnaie zu wissen. Jeder muss ganz alleine entscheiden, ob er seine Organe spenden möchte.

Ich finde, dass es ein schönes Gefühl ist, anderen nach meinem Tod ein (neues) Leben schenken zu können.

 

 

Text und Fotos: Larissa Lotz
Quelle: https://www.organspende-info.de