Der LangzeitstudiDer Langzeitstudent 2

Zu erkennen an: Zum Semesterstart wird er von zahlreichen Erstis umzingelt, es herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit. Für die Erstsemester #Neuland, für den Langzeitstudi ein entspannter Start in ein neues Studiensemester - er beginnt schließlich nicht sein erstes Studium. Den Ablauf hat er längst verinnerlicht, seine vorigen zehn Semester boten ihm reichlich Erprobungsphasen und nach seinen bisherigen zwei Versuchen in Mathematik („Das war mir irgendwie zu theoretisch.“) und Vergleichbare Religionswissenschaften („Das war mir mit der Zeit zu dogmatisch.“) wird es mit #irgendwasmitMedien gewiss werden.

Schließlich sind aller guten Dinge drei.

Seine erste Wortmeldung in einer Vorlesung: „Kann ich mir das Seminar aus meinem vorigen Modul „Moralvorstellungen im Katholizismus des späten 18. Jahrhunderts“ aus dem Sommersemester 2012/13 anrechnen lassen?"

Das isst er in der Mensa: Als langjähriger Mensaesser weiß er, dass der Möhreneintopf am Dienstag nichts taugt, die Spaghetti Bolognese am Mittwoch ungenießbar ist und es sich eigentlich nur lohnt, freitags die Mensa zu besuchen: Da gibt's Pfannkuchen!

Nach dem ersten Semester: „Endlich ein Fach, das zu mir passt! Wobei mich Afrikanistik auch immer noch reizen würde."

 

Der MitmischerDer Hardcore Öko

Zu erkennen an: Der Mitmischer wird seinem Namen gerecht. Überall, wo es sich zu engagieren gilt, ist er nicht fern. Gleich in der ersten Semesterwoche lässt er sich in den Fachschaftsrat wählen, meldet sich für den Debattier-Club und die lokale Naturschutzvereinigung, tritt als neues Mitglied der Anti-Atomkraft-Bewegung bei und gründet kurzerhand einen ehrenamtlichen Nachhilfekreis in der Nachbarstadt. Für das eigentliche Studium bleibt dabei zwar keine Zeit mehr - zwischen Sitzungen, Flash-Mobs und Spenden-Akquise - aber schließlich gibt es Wichtigeres auf dieser Welt als Credit Points und stundenlanges Sitzbankdrücken im Audimax.

Seine erste Wortmeldung in einer Vorlesung: Wenn anwesend, dann: „Ich würde vor Beginn kurz eine gaaaanz wichtige Organisation vorstellen, bei der es total super wäre, wenn Ihr alle mitmacht. Ich geb´ schon einmal die Anmeldeliste herum."

Das isst er in der Mensa: Den veganen Kartoffeleintopf aus regionalem Anbau und zum Nachtisch einen Fairtrade-Schokoriegel zur öko-zertifizierten Mandelmilch-Latte.

Nach dem ersten Semester: „Ich bin nun sieben Wochen weg, um in Nigeria ein Waisenhaus aufzubauen, in Nepal bedrohte Feuerfüchse zu zählen und vor Taiwans Küsten die Dongsha-Korallenwälder zu schützen."

 

Die BIB TouristinDie Neunmalkluge

Zu erkennen an: Nach dem Abitur (Numerus Clausus 0,9, aber nur wegen der verhauenen Chemieprüfung) hat sie sich bewusst für die Studiengänge beworben, bei denen oberhalb des Numerus Clausus von 1,0 die meisten Bewerber abgelehnt werden. Sie hat Motivationsschreiben verfasst, Aufnahmegespräche geführt und – überraschenderweise – überall einen Platz bekommen. Dank zahlreich übersprungender Klassen ist sie nun mit ihren 16 Jahren nicht in Eile und gönnt sich gleich zwei Studiengänge parallel. Als Bib-Touristin ist sie zumeist in der Bibliothek anzutreffen, auch in der vorlesungsfreien Zeit.

Ihre erste Wortmeldung in einer Vorlesung: „Ist das klausurrelevant?"

Das isst sie in der Mensa: Mensa? Sie steckt ihre Nase doch viel lieber in Bücher als in das aufgewärmte Mensaessen der vergangenen Woche.

Nach dem ersten Semester: „So anspruchsvoll, wie alle immer sagen, sind Medizin und Jura nun auch wieder nicht."

 

Die Partylöwin Der Party Löwe

Zu erkennen an: Schluss mit Schulbeginn 8 Uhr. Endlich Großstadt, endlich Auszug, endlich Herrin des eigenen Lebens. Für die Partylöwin waren schon bei der Wahl des Studienortes die Club- und Kneipendichte wichtiger als die Uni-Rankings. Statt einen Blick ins Vorlesungsverzeichnis zu werfen, informiert sie sich im Veranstaltungskalender ihrer neuen #hood. Und wer jetzt denkt, dass das Studentenleben dieser Erstsemestergattung allen voran mit Spaß und High Life gefüllt ist, der schaue auf ihren getakteten Terminplaner:

Montag – Pub-Quiz, dann WG-Fete; Dienstag – Cocktail-Happy-Hour im Sam´s; Mittwoch – Students Club im Elephant; Donnerstag – Ersti Kneipentour; Freitag Clubbing; Samstag – Abriss; Sonntag – Ausschlafen.

Ihre erste Wortmeldung in einer Vorlesung: Physisch anwesend, gedanklich auf den Dancefloor ihrer Traumfabrik.

Das isst sie in der Mensa: Katerfrühstück oder Currywurst mit Pommes (Eine gute Grundlage ist entscheidend.)

Nach dem ersten Semester: „Hoch die Hände, Semesterende! Darauf trinke ich.“

 

Der SiebenschläferDer Siebenschläfer

Zu erkennen an: Der Siebenschläfer betritt immer als Letzter den Hörsaal und das meist mit ausgiebig Verspätung, wenn er überhaupt den Weg zur Uni antritt. Glänzt er mit seiner Anwesenheit, so läutet er in der Vorlesung gerne zur nächsten Runde #power-napping. Fragt man ihn nach den Inhalten der Vorlesung, so weiß er nie Bescheid, bittet aber im nächsten Zug um deine Mitschriften der versäumten drei Wochen.

Seine erste Wortmeldung in einer Vorlesung: Glänzt durch Abwesenheit. Oder: „Entschuldigen Sie die Störung, …. [Mehrfachantworten möglich]

[   ] mein Wecker hat nicht geklingelt.“

[   ] der Zug hatte Verspätung.“

[   ] habe den Hörsaal nicht gefunden.“

[   ] musste noch ausgiebig frühstücken.“

[   ] ich dachte, heute wäre Samstag.“

[   ] ich wurde von Marsmenschen überfallen.“

Das isst er in der Mensa: 13.00h ist ihm noch zu früh fürs Mittagessen. Schließlich lag er vor wenigen Minuten noch in der Koje.

Nach dem ersten Semester: „Ist das Semester schon vorbei?“

 

Das Gossip GirlDie Gossip Girls-Clique

Zu erkennen an: Die Gossip Girls sind entweder schon gemeinsam zur Schule gegangen oder haben sich als Clique in der Erstiwoche zusammengefunden - #seelenverwandtschaft#youknow - . Die Clique ist leicht zu erkennen am identischen Styling von der Chucks-Sohle bis zur geföhnten Ponywelle. Und auch der Sprachduktus und die Ess-, Schlaf- und Feiergewohnheiten sind von allen Mitgliedern perfekt synchronisiert. Es versteht sich von selbst, dass die Gossip Girls einen identischen Stundenplan haben, zusammen in der Sitzbankreihe sitzen und jede Gruppenarbeit gemeinsam machen. Kontakt zur Außenwelt wird nur aus einem einzigen Grund aufgenommen: für neues Läster-Input. Ansonsten ist alles: TOP SECRET. Getuschelt, getratscht und gewhatsappt wird nur mit den Clubmitgliedern des inneren Zirkels.

Ihre erste Wortmeldung in einer Vorlesung: „Wir wollen gerne zu fünft die Hausarbeit schreiben. Wie, das geht nicht? Dann schreiben wir eben zu fünft zwei."

Das essen sie in der Mensa: In jedem Falle alle dasselbe.

Nach dem ersten Semester: „Das Semester haben wir gerockt. Tschaui, Ihr Süßen. xoxo.“

 

 

Text/Zeichnungen: Johanna Szeleschus