eigentlich groEs ist zwölf Uhr mittags, alle Veranstaltungen für heute sind abgehakt. Ich schmeiße mir eine Tiefkühlpizza in den Ofen und warte. Und jetzt? 

Ich habe einfach nichts zu tun. Das ist natürlich Meckern auf sehr hohem Niveau, denn wer weiß, wann ich das nächste Mal wieder so viel Freizeit haben werde wie während meines Studiums. Eigentlich sollte ich die Zeit wertschätzen, raus gehen, Sport machen, viele interessante Leute kennen lernen, bestehende Beziehungen pflegen, endlich mal die Wohnung putzen, ein gutes Buch lesen, oder zwei,  arbeiten und Geld verdienen - eigentlich sollte in Rindfleischlasagne auch kein Pferdefleisch sein. Eigentlich ist Fastfood auch sowieso nicht nur unheimlich ungesund, sondern auch moralisch ziemlich verwerflich. Eigentlich… Scheiß Wort. Darauf folgt immer, früher oder später, ein „aber“.

Und genau das ist das Problem. Das Wörtchen „eigentlich“ macht es einem möglich, seine besten Absichten zu bekunden, die man aber aufgrund höherer Gewalt leider nicht mehr verfolgen kann. Denn eigentlich wissen wir doch alle, dass Fastfood Mist ist. Trotzdem meldet McDonalds Deutschland für 2012 einen Nettojahresumsatz von über drei Milliarden Euro. Und trotzdem scheitert der Gesetzentwurf des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, der den Verkauf von XXL Bechern in New Yorker Fastfood Restaurants verbieten lassen möchte, um der Verfettung der US-Bürger entgegenzuwirken und den Millionen zukünftigen Diabetespatienten viel Geld für die Behandlung zu sparen.

Wie soll ich denn dann etwas anpacken, wenn mir diese Inkonsequenz aus allen Ecken entgegenspringt? Wenn mir überall vorgelebt wird, dass es zu jedem „eigentlich“ ein „aber“ gibt? Klar, es ist immer leicht, die Schuld auf die böse Gesellschaft zu schieben. Auch eine Art, „eigentlich“ zu sagen…

Ich weiß, dass ich mir auch an die eigene Nase fassen muss, denn auch ich bin ein Mitglied dieser Gesellschaft. Obwohl der Pferdefleisch-Skandal zu Genüge behandelt wurde, blende ich ihn beim Einkaufen doch immer wieder aus. Und so einen riesigen Skandal sehe ich sowieso nicht darin. Na und? Dann habe ich halt das ein oder andere Mal Pferd gegessen. Ich weiß doch sowieso, dass der Scheiß Tiefkühlfraß ungesund ist, und ich dabei kein Qualitätsfleisch von freilebenden Angus-Rindern aus Schottland erwarten kann. Eigentlich weiß ich das…

Wenn das nur alles nicht so bequem wäre. Natürlich habe ich keine Lust, für viel Geld Zutaten zu kaufen und aufwendig zu kochen, wenn es das fertige Produkt auch für kleines Geld für die Mikrowelle oder den Ofen gibt. Ich bin eben eine bequeme Natur. Man könnte es auch pragmatisch nennen. Eigentlich kann ich damit auch ganz gut leben. Eigentlich… 

 

Text/Foto: Joshua Meszar