lena200„Wir sind in einer sehr privilegierten Situation. Uns geht’s super und da fände ich es wichtig, dass jeder einfach ein paar Stunden seiner Zeit opfert.“

Lena Diesch, Studentin am Campus Lingen der Hochschule Osnabrück, engagiert sich ehrenamtlich bei „Campus ohne Grenzen“, einer Initiative von Studenten für Geflüchtete. Wir haben die Kommunikationsmanagementstudentin getroffen, um mehr von diesem tollen Projekt zu erfahren.

 

 Was genau ist „Campus ohne Grenzen“ und was müssen wir darüber wissen?

Lena Diesch: „Campus ohne Grenzen“ wurde vor rund eineinhalb Jahren, also im Wintersemester 2014/15 von Studenten in Osnabrück gegründet. Die Idee dahinter war, ein Projekt zu schaffen, in dem Studenten Geflüchtete unterstützen und sich mit ihnen austauschen können. Wir haben das Projekt dann hier in Lingen letztes Jahr im Wintersemester übernommen, jedoch in deutlich kleinerem Rahmen. Angefangen haben wir mit sogenannten „Cafés“, wo wir zum Austausch und Kennenlernen zusammenkommen.

Zudem können Geflüchtete hier einen Gasthörer-Status erlangen, wenn sie einen Asyl-Antrag gestellt haben. Sie dürfen zwei Module an der Hochschule belegen und so in das Studentenleben reinschnuppern.
Außerdem bieten wir einen Sprachtreff an, der jeden Mittwochnachmittag stattfindet, wo man in verschiedenen Gruppen spielerisch Deutsch lernen kann.
Einmal im Semester gibt’s dann auch noch eine kleine Feierei im „Bonikeller“. Das ist ein Jugendkeller, der sich dafür zur Verfügung stellt.

Kam die Idee aufgrund der Flüchtlingslage oder gab es Anfragen von der Stadt oder sogar von Geflüchteten selbst?

Diesch: Das Projekt hat sich natürlich aus der Situation heraus ergeben. Es sind immer mehr Geflüchtete nach Deutschland gekommen, die teilweise ihr Studium weitermachen oder beginnen wollten.

Studieren die Gasthörer dann das, was sie bisher gemacht haben oder etwas komplett Neues?

Diesch: Wir haben hier in Lingen bisher fünf Gaststudierende, die teilweise schon in ihrem Heimatland in dem Bereich etwas studiert haben, zum Beispiel im Studiengang BWL. Aber es gibt auch welche, die hier jetzt ganz neu angefangen haben. In Osnabrück sind es um die 70 Gaststudierende. 

Für die Gasthörer gibt es zudem ein „Buddy-Projekt“. In Osnabrück ist das ganze schon etwas ausgereifter. Ein Studierender wird einem Geflüchteten zur Seite gestellt und begleitet ihn.

Müssen die Buddys denn im selben Institut sein wie der Geflüchtete, um diese Tätigkeit ausüben zu können?

Diesch: Nein, das ist kein zwangsläufiges Kriterium. Wichtiger ist eigentlich, dass die menschliche Chemie passt. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man dasselbe studiert oder vielleicht auch sogar noch im selben Semester ist.

Haben hier in Lingen alle Geflüchteten einen Buddy?

Diesch: Nein, im Moment haben leider nur zwei Leute einen Buddy. Wir sind aber noch auf der Suche nach Buddys. Jeder Student, der Lust hat, kann diese Aufgabe übernehmen.

Von wem wird das alles organisiert?

Diesch: Da kann jeder mit einsteigen, aber im Moment gibt es ein festes Organisationsteam. Da sind wir um die acht Leute, die das regelmäßig organisieren. Dafür haben wir jeweils Ausschüsse gebildet, die jeweils für einen Bereich zuständig sind. Da kann aber, wie gesagt, jeder dazu kommen.

Und was genau sind deine Aufgaben?

Diesch: Im Großen und Ganzen bin ich für die allgemeine Organisation verantwortlich. Ich pflege den Kontakt nach Osnabrück, sodass wir im Austausch darüber stehen, was deren Team macht und was unser Team macht. Außerdem koordiniere ich unsere Organisationstreffen.

Hast du denn manchmal Probleme deine Aufgaben gleichzeitig mit dem Studium zu koordinieren?

Diesch: Eigentlich bekomme ich das immer gut unter. Das ist mal hier eine Stunde, mal da eine Stunde, die man organisieren muss. Es ist natürlich wichtig bei den verschiedenen Treffen regelmäßig da zu sein, also bei den Cafés oder auch mal bei den Sprachtreffs vorbei zu schauen, aber im Prinzip kann man das so organisieren, wie man gerade Zeit hat. Wir haben so alle vier bis fünf Wochen ein Organisationstreffen. Da sind wir dann natürlich alle zusammen anwesend. Aber das finde ich zeitlich gut machbar.

Was hat dich dazu bewegt mitzumachen?

Diesch: Im ersten Semester hatte ich Lust mich zu engagieren. Durch Zufall bin ich dann auf dieses Projekt gestoßen. Ich kannte auch jemanden, der bei dem Projekt mitgearbeitet hat und mich zu einem Treffen mitgenommen hat – dann war ich dabei (lacht).

Gibt es ein Erlebnis, das dich berührt hat und du wusstest „Wow cool, deshalb mache ich hier mit!“?

Diesch: Unsere Kick-Off Veranstaltung im März/ April 2016 war ziemlich cool, da haben wir im Burgtheater eine Open-Stage veranstaltet und ein offenes Buffet, alle haben was zum Essen mitgebracht. Es waren circa 40 Flüchtlinge da und etwa 15 bis 20 Studenten. Erst war die Stimmung ein bisschen gehemmt, man kannte sich nicht und man wusste nicht, was man so machen sollte, aber irgendwann hat dann einer Musik aufgelegt und die Leute haben angefangen zu tanzen. Es gab ganz viele verschiedene Tänze und auch Gruppentänze zu arabischer Musik, außerdem wurde Ukulele und Gitarre gespielt. Eine bunte Mischung und ein richtig cooler Abend. Das ist mir äußerst positiv in Erinnerung geblieben (lächelt dabei).

 Was hat man vom Engagement bei Campus ohne Grenzen?

Diesch: Auf jeden Fall ein gutes Gewissen. Ich finde es persönlich wichtig, dass man seinen Teil zur Gesellschaft beiträgt. Ob man sich für Flüchtlinge engagiert oder für den Naturschutz oder für Kinder in Afrika, ist eigentlich ganz egal. Aber ich finde, man sollte sich irgendwo einbringen, weil wir in einer sehr privilegierten Situation sind. Uns geht’s super und da fände ich es wichtig, dass jeder einfach ein paar Stunden seiner Zeit opfert und sich für etwas engagiert, was ihm am Herzen liegt. Mir liegt eben die Flüchtlingshilfe am Herzen und deswegen engagiere ich mich. Meiner Meinung nach kann jeder für sich selbst herausfinden, was wichtig ist und dann dementsprechend handeln.

 Also auch keine Anmeldung, was vielleicht einige abschreckt?

Diesch: Die gibt’s nicht.

 Nehmen nur Gaststudenten die Angebote wahr?

Diesch: Das sind nicht nur Studenten, es sind auch ganz viele dabei, die kein Abitur haben, also die hier auch wahrscheinlich gar nicht studieren werden.

Wie werden die Geflüchteten auf eure Angebote aufmerksam?

Diesch: Wir haben ein gutes Netzwerk über einen Bekannten aufgebaut, der hier in Lingen sehr engagiert in der Flüchtlingshilfe ist und der hat uns praktisch den Zugang zu seinem Verteiler gegeben. So erreichen wir ziemlich viele Geflüchtete in Lingen.

 Gibt es auch die Möglichkeit, erstmal „reinzuschnuppern“? Wer ist der Ansprechpartner?

Diesch: Ja, einfach mal vorbeikommen. Einbringen kann man sich immer, auch wenn man nur zu einem Café kommt oder bei einem Sprachtreff mitmacht. Bei den Sprachtreffs hat man sogar ganz unverbindlich die Möglichkeit, ab und an zu kommen, weil es da nur darum geht, dass man dort spricht und das kann ja wohl jeder von uns (lacht).

 

Wir sind auf hochschulfreun.de vertreten, wo die ganzen Organisationsmitglieder eingegliedert sind, die kann man einfach direkt anschreiben. Wir haben aber auch eine E-Mail-Adresse, an die man sich wenden kann. Das ist Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Text: Lisa Eckhardt

Bilder: Silke Floren, hochschulfreun.de