Pressearbeit ntv Reuters Klein Larissa LotzDa ich mir später gut vorstellen kann, als Pressesprecher der Polizei zu arbeiten, absolvierte ich mein zweites Praktikum im Rahmen meines Kommunikationsmanagement-Studiums beim Polizeipräsidium Münster. Die Arbeit ist unglaublich vielseitig und deswegen möchte ich euch gerne einen Einblick in einen typischen Arbeitsalltag während meines Praktikums im Bereich der Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Münster geben.

 

Als Erstes werden morgens Tageszeitungen analysiert, um zu sehen, wie viele und auf welche Art und Weise die Pressemitteilungen der Polizei von den Journalisten übernommen wurden. Die entsprechenden Artikel werden zunächst in der Zeitung markiert und anschließend digitalisiert. Sie dienen als Informationsgrundlage in anschließenden Besprechungen mit anderen Leitstellen. Als Praktikant wird man bereits zu Anfang des Praktikums in diese Tätigkeit eingeführt, da sie eine wichtige Grundlage für weitere Besprechungen und Vorgehensweisen ist. Außerdem ist es schnell zu erlernen.

Täglich finden verschiedene Besprechungen beziehungsweise Jours fixes statt, in denen man sich untereinander austauscht. Dies ermöglicht es, dass alle Kollegen über das Arbeiten und die Sachverhalte der anderen Abteilungen informiert sind. So wird verhindert, dass Arbeiten unwissentlich doppelt erledigt werden.

Pressemitteilungen, die man auf Grundlage von Einsatzberichten oder Zeugenprotokollen erstellt, müssen vor der Veröffentlichung auf mögliche Rechtsschreib- oder Layoutfehler geprüft werden. Bei eigens erstellten Pressemitteilungen lesen die Kollegen Korrektur, da man selbst eigene Fehler oftmals nicht erkennt.

Die Pressemitteilungen werden auf Grundlage von Einsatzprotokollen angefertigt. Es gilt aus den teilweise sehr umfangreichen Protokollen die relevanten Informationen herauszufiltern und in eine adressatengerechte Sprache zu übersetzen. Viele Abkürzungen im Rahmen der polizeilichen Arbeit sind der Öffentlichkeit nicht bekannt und müssen angepasst oder zusätzlich erläutert werden. Ist eine Pressemitteilung geschrieben und soll veröffentlicht werden, muss sie mit Hilfe eines Computerprogramms („Presseportal“) online gestellt werden. Ob diese Pressemitteilung dann letztendlich auch von Zeitungen veröffentlicht wird, erfährt man dann in der bereits zu Beginn erwähnten täglichen Medienresonanzanalyse am Morgen des Folgetages.  

Die Mitarbeiter aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit sind regelmäßig mit der Organisation von Führungen für verschiedene Besuchergruppen beschäftigt. So müssen Inhalte des vorgetragenen Programms immer wieder individuell auf die einzelnen Gruppen abgestimmt werden, da häufig eine breite Altersspanne zwischen den Besuchergruppen besteht (zum Beispiel Schulklassen und Senioren). Ebenso müssen Inhalte teilweise in andere Sprachen übersetzt werden, da auch Besuchergruppen aus anderen Ländern wie beispielsweise China kommen, um einzelne Abteilungen des Polizeipräsidiums anzusehen. Überwiegend erfolgen die Vorträge dann jedoch in englischer Sprache oder die Besuchergruppen bringen einen eigenen Übersetzter mit. 

Auf der eigenen Facebook- und Twitterseite werden regelmäßig wichtige Pressemitteilungen oder andere Ankündigungen veröffentlicht. Auch für die Polizei gewinnt Transparenz und Einbeziehung der Öffentlichkeit zunehmend an Relevanz. Teilweise treten Bürger über die sozialen Medien in direkten Kontakt zur Polizei und wenden sich mit Anfragen zu Sachverhalten aber auch mit Hilferufen an die Pressestelle. Bei den kürzlich geschehenen Terroranschlägen trat die Polizei München als erste Polizeibehörde verstärkt über soziale Medien in den Kontakt mit der Bevölkerung. Das Beispiel verdeutlicht die zunehmende Bedeutung der sozialen Medien für die Pressearbeit der Polizei insgesamt.

Häufig stehen Termine mit Medienvertretern auf der Tagesordnung der Pressestelle der Polizei. So gibt es täglich Anfragen (zum Beispiel von BILD oder ZDF), ob die Polizei bei bestimmten Events oder aktuellen Themen in der Öffentlichkeit für Pressekonferenzen, O-Töne oder Interviews zur Verfügung stehe. Aber auch von Seiten der Pressestelle erfolgen Terminanfragen an die Journalisten. Wird zum Beispiel eine Schwerpunktmessung im Straßenverkehr durchgeführt, von der viele Pendler betroffen sind, nimmt die Polizei Kontakt mit den Journalisten auf, um so die Bevölkerung rechtzeitig zu informieren und aufzuklären.

Während meiner Praktikumszeit begleitete ich die Dreharbeiten eines Fernsehteams vom Fernsehsender VOX. Eine Sendung im Abendprogramm befasste sich mit einem vor Kurzem stattgefundenen schweren Verkehrsunfall mit Fahrerflucht. Die Polizei erhoffte sich durch die Kooperation mit den Medien entscheidende Hinweise von Zeugen. Als Praktikant der Pressestelle geht es hier um die Koordination von Terminen und die Vermittlung zwischen den Medienvertretern und den in die Dreharbeiten einbezogenen Polizeibeamten. Man erlebt hautnah mit, wie ein solcher Film zustande kommt und wird teilweise auch bei Vorschlägen an die Regie miteinbezogen.

Die Arbeit auf der Pressestelle des Polizeipräsidiums Münster ist sehr vielfältig. Da man unmittelbar von Geschehnissen in der Bevölkerung beeinflusst wird, weiß man morgens nie genau, was einem am Tag erwartet. Gerade in Krisensituationen muss man stets auf die richtige Wortwahl achten, wenn man an die Öffentlichkeit tritt. Die sozialen Medien beschleunigen und vergrößern den Wirkungskreis der Öffentlichkeitsarbeit zunehmend, sodass Medienvertreter oft Anfragen stellen, bevor man im Team Gelegenheit hatte, sich über eine geeignete Wortwahl zu verständigen. Hier lernt man als Praktikant schnell nicht voreilig Inhalte herauszugeben, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

 

Mir hat das Praktikum bei der Pressestelle der Polizei Münster sehr gut gefallen, da ich mich gleich vom ersten Tag an sehr gut aufgehoben gefühlt habe und viele verschiedene Aufgaben übernehmen durfte.

Polizeisprecher Polizei Essen Klein Larissa LotzIn Münster arbeiten derzeit nur geschulte Polizisten als Pressesprecher, externe Kommunikationsleute werden noch nicht eingestellt. In größeren Städten wie zum Beispiel Düsseldorf ist dies aber bereits der Fall. Ich würde mir wünschen, dass auch in kleineren Städten zunehmend externe Kommunikationsleute eingestellt würden, da ich mir auch nach meinem Praktikum weiterhin sehr gut vorstellen könnte, in einer Pressestelle der Polizei zu arbeiten.

 

Text: Larissa Lotz 
Foto Teaser: dapd
Foto oben: Reuters/n-tv
Foto unten: Polizei Essen