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Am Sonntag, den 4.11.2018 fand die Theaterfahrt zum Doppelabend Pina Bausch statt. Im Opernhaus in Wuppertal wird an sieben Abenden diese Doppelvorstellung aus „Café Müller“ und „Das Frühlingsopfer“ dargeboten. 

Los ging es um 15 Uhr von der Mensa am Westerberg. Der Bus kam aus Lingen und war schon recht voll besetzt. Die Ankunft war für 17 Uhr vorgesehen, doch durch einen Stau nach dem nächsten und einer Vollsperrung auf der A1 kamen wir dann auf die allerletzte Minute. Es ging also mit einem Abschlusssprint direkt in den Zuschauerraum. Als Erstes wurde „Café Müller“ gezeigt, Pina Bauschs Kindheitserinnerung an eine Solinger Konditorei, entstanden 1978. Noch bis ein Jahr vor ihrem Tod tanzte Pina Bausch selbst mit. 

Ich selbst habe beide Stücke völlig uninformiert gesehen. Pina Bausch war mir ein Begriff, aber eher als Tänzerin, weniger als Choreographin. Also ging ich unwissend, aber auch neugierig in die Aufführung.  

Das Bühnenbild bestand aus einem Meer aus dunklen Holzstühlen und -tischen. Die Hauptdarstellerin, nur in ein schlichtes weißes Chiffonkleid gehüllt, bewegte sich über die Bühne, wie von unsichtbaren Fäden gezogen. Laut Nicole Strecker ein „Sinnbild für feminine Verletzlichkeit“ (Deutschlandfunk). Das Stück bestand zu einem wesentlichen Teil aus der Wiederholung von Szenen und Mustern. Die Zuordnung von Rollen, die Bedeutung der TänzerInnen oder überhaupt das Erkennen einer Handlung fiel mir hier allerdings mehr als schwer. Es waren eher Eindrücke und Gefühle, die mir entgegenschwappten. 

Eingerahmt wurde die Bühne von einigen transparenten Plexiglasscheiben. An diesen unsichtbaren Hindernissen blieben die Tänzer hängen und stießen, man könnte fast sagen klatschten, sie immer wieder dagegen. „Bauschs Ernst und die choreografische Kraft deuten in fast bestürzender Weise auf ihre tiefe, lebenslange Auseinandersetzung mit dem Tod“, so beschreibt es Marieluise Jeitschko (tanznetz).

Unter der Leitung von Henrik Schaefer spielte das Sinfonieorchester in einer ganz kleinen Besetzung die Musik von Henry Purcell, unterstützt von Marie Heeschen mit ihrer schönen Sopranstimme sowie von Lukas Jakobski mit seinem Bass. Nur mittels Einspielungen, hauchzart und sehr reduziert, verwoben sich das Bühnengeschehen und die Musik (Klaus Dilger, tanzweb).

 

Pina Bausch gehört zu den bedeutendsten Choreographinnen der Gegenwart und wurde durch ihren ganz eigenen speziellen Stil berühmt. Ihre Stücke sollen nie eine einheitliche Interpretation beim Publikum erzeugen, sondern lassen jeden Zuschauer seine eigenen Schlüsse aus der Darstellung ziehen – das gilt auch für „Café Müller“. 

Nach der ca. 30-minütigen Pause, in der sich alle verzweifelt auf die Suche nach etwas Essbarem machten (übrigens leider erfolglos), ging es in Runde zwei: „Das Frühlingsopfer“, welches schon drei Jahre vor „Café Müller“ uraufgeführt wurde. 

Bereits der erste Eindruck machte deutlich, dass die Intensität dieses Stückes eine ganz andere sein würde, als bei „Café Müller“. Der Boden war mit einer dicken Torfschicht bedeckt, was etwas sehr ursprüngliches und organisches ausstrahlte. Das Sinfonie-Orchester, jetzt in voller Besetzung, spielte Strawinsky’s „Le Sacre du printemps“ in einer mitreißenden Lautstärke. „Das Frühlingsopfer“ erforderte nicht nur vollen Körpereinsatz der TänzerInnen, sondern auch große Hingabe, welches Tsai-Chin Yu in der Rolle des Opfers eindrucksvoll tat - soweit mein Eindruck. Der Kritiker Klaus Dilger beschrieb hingegen die Aufführung als „weit entfernt von dem Werk der Choreographin, von dem alles durchdringenden Geist ihrer Bewegungssprache, von einem homogenen Ensemble, das wie in Trance und ständiger innerer Bewegung, wie es Pina Bausch gefordert hat, diesem überwältigenden Ritual bis zum bitteren Ende ausgeliefert ist“ (tanzweb).

DasFruehlingsopfer cMEYER ORIGINALS klein

Das letzte, scheinbar qualvolles Aufbäumen des Opfers war das große Finale und war für mein Empfinden sowohl eindrucksvoll, bewegend und verletzlich, aber gleichzeitig auch erschreckend und abstoßend, sodass ich am liebsten die Augen abgewendet hätte. Daraus lässt sich auf eine überzeugende Performance von Yu schließen, ich blieb aber trotzdem mit einem komischen Gefühl zurück, das mich die ganze Heimfahrt über begleitete. Ob die Zuschauer meine Eindrücke teilten? Ich weiß es nicht, aber der Doppelabend wurde vom Publikum mit Standing Ovation bejubelt. 

Um 20.45 Uhr saßen wir alle wieder im Bus auf dem Weg zurück nach Osnabrück. Nur mit einem Zwischenstopp an einer Tankstelle, an dem sich alle endlich mit einigen Notfallsnacks eindecken konnten, kamen wir um 22.45 Uhr in Osnabrück an.

 

 

Einen Eindruck von „Das Frühlingsopfer“ könnt ihr in diesem Video des Tanztheater Wuppertal bekommen. Mehr Informationen über den Doppelabend findet ihr unter pina-bausch.de.

 

 

Text: Julia Rother

Bilder: Meyer Originals