Lingen grüßt die Welt – Der Blick aus dem Fenster (Tag 15)

Das Fenster am Gievenbach in Münster

Ausblick aus dem Fenster mit Blick in den Garten
Der Blick aus dem Fenster aus dem Wohnzimmer

Es ist der 30. März 2020 und somit Tag 15 der Isolation und demnach auch dem Blick aus dem Fenster. Ich habe euch ja bereits an Tag 14 in meiner Routine mitgenommen und mich kurz vorgestellt. Heute geht es weiter mit Tag 15!

Und täglich grüßt das Murmeltier

Es ist Montag. Wir starten also in die dritte Woche der Online-Lehre. Wie bereits berichtet, weckt mich mein Wecker um 08.30 Uhr. Motiviert bin ich nicht gerade, aber mehr ist von mir auch nicht zu erwarten an einem Montag. Um 09.30 Uhr sitze ich also bereits fertig gemacht und mit einem Cappuccino in der Hand, in der Küche am Tisch. Ich arbeite weiter an meinem Artikel für WieL. Spannendes zu berichten gibt es nicht gerade, da ich immer und immer wieder einen Absatz nahezu komplett umschreibe und ihn letztlich ganz lösche. Der hat mir einfach nicht gefallen.

Gegen 12.00 Uhr gebe ich, fürs erste, auf und mache mich daran, eine Einkaufsliste für meinen Wocheneinkauf zu schreiben. Das ist gar nicht so einfach bis zu 6 Tage im voraus zu planen. Früher, ich meine damit die Zeit vor dem Coronavirus, gehörte ich zu der Sorte Mensch, die fünfmal die Woche einkaufen gegangen ist. Das ist eine echte Umstellung. Ich mache mich nun auf den Weg zum nahegelegenen REWE.

Über Masken

Während ich meinen Einkaufswagen immer mehr mit Lebensmitteln fülle, fällt mir eines besonders auf. Mittlerweile sehe ich immer mehr Menschen, die eine Maske tragen. Entweder eine einfache selbst genähte oder eine FFP2 Maske. Ein alter Mann mit Rollator, vermutlich um die 80, trägt auch eine FFP2-Maske. Sehr unsicher steht er im Gang und schaut sich mehrfach um, als mehrere Menschen, ohne Notiz von ihm nehmend, sich an ihm vorbei drängen. Obwohl ein großer Teil seines Gesichts von der Maske verdeckt wird, erkenne ich, dass er überfordert mit der Situation ist. Ich gebe ihm ein Zeichen, dass auch ich gerne an ihm vorbei möchte und warte bis er den Gang verlässt. Er bedankt sich mehrmals für meine Rücksichtnahme und nickt mir zu. Ich kann nur ahnen, wie er sich gerade fühlt.

Ich selbst denke nun auch darüber nach, dem alten Mann zuliebe, eine Maske zu tragen. Nicht damit ich mich sicherer fühle, sondern damit ich älteren Menschen Sicherheit schenken kann. Noch besitze ich keine Maske, werde mich aber sehr bald daran machen, eine zu nähen, beschließe ich.

Wieder zu Hause, führt mich mein erster Weg ins Badezimmer, wo ich mir gründlich die Hände wasche. Erst danach räume ich die Einkäufe ein und wasche mir sicherheitshalber noch einmal die Hände. Zumindest beruhigt das mein Gewissen. Den Rest des Tages arbeite ich ein grobes Konzept für mein wissenschaftliches Projekt aus. Dieses muss ich noch meinem Prüfer schicken! Morgen dann auf jeden fall verspreche ich mir.

Fragen über Fragen

Später am Abend gerate ich dann plötzlich ins Grübeln. Wie lange die aktuelle Situation wohl noch anhält? Ob die Bibliothek wohl am 20. April wieder aufmacht? Immerhin gelten die aktuellen Bestimmungen nur bis zum 19. April und so langsam brauche ich auch Literatur aus der Bibliothek. Oder, ob die Hochschule wohl doch noch länger geschlossen bleibt? Verzögert Corona meinen Bachelorabschluss dieses Jahr?

Ich glaube an jenem Tag konnte ich auf keine meiner Fragen eine Antwort finden. Jetzt weiß ich es auf jeden Fall besser. Wir springen in die Gegenwart.

Es ist Montag der 20. April

Heute war die Wiederaufnahme der Präsenzlehrveranstaltungen geplant. Doch wie ihr wisst, ist alles anders gekommen. Schon am Mittwoch wurde von der Bundesregierung bekannt gegeben, dass die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus bis zum 03. Mai verlängert werden. Um 22.09 Uhr am Mittwochabend kam dann die erwartete E-Mail von der Hochschule selbst. Diese bestätigte die Verlängerung der Online-Lehre bis Anfang Mai, gab aber weiter bekannt, dass das Sommersemester größtenteils als Online-Semester zu Ende geführt wird.

Für mich heißt das jetzt: weiterhin auf Online-Literatur zurückgreifen und Online-Meetings oder Telefonate mit meinem Prüfer führen. Die Abgabefrist wurde immerhin verlängert, sodass ich, zeitlich gesehen, nicht in die Bredouille kommen sollte.
Eine Sache weiß ich auf jeden Fall in diesen Zeiten besonders zu schätzen. Die Transparenz der Hochschule in der aktuellen Lage. Mit den regelmäßigen Newslettern werde ich über aktuelle Informationen schnellstens informiert. Ob das an allen Hochschulen oder Universitäten so gehandhabt wird? Ich mag es bezweifeln. Viele Bildungseinrichtungen starten heute erst mit den Beginn des Sommersemesters. Denen sind wir ganze fünf Wochen voraus. Irgendwie beruhigend, dass diese Lehre für uns bereits (lange) Alltag ist. Ich blicke also positiv dem Semester entgegen. Auch wenn ich das an dem ein oder anderem Tag sicher bereuen werde.

Übrigens:

Die Stadt Lingen verteilt ab heute 140.000 Alltagsmasken (Mund-Nase-Masken) an die Lingener Bürgerinnen und Bürger mit Erst- oder Zweitwohnsitz. Die Masken kosten 1,50 Euro pro Stück. Noch bis Mittwoch (22. April) 18 Uhr findet die Aktion statt. Hier findet ihr weitere Informationen zur Verteilung der Masken. Auf jeden Fall eine gute Möglichkeit für alle, die noch keine Maske besitzen.

Bleibt gesund und kommt gut in die neue Woche!

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