Master oder Arbeitsmarkt? Was Du wirklich wissen musst

Du bist im letzten Semester. Die Bachelorarbeit liegt schon beim Professor und der Kalender ist voll mit letzten Deadlines, Abgaben und irgendwelchen Verwaltungssachen, die man natürlich immer wieder aufschiebt. Und irgendwann, mitten in diesem ganzen Chaos, kommt die Frage, die alle sich irgendwann stellen müssen:

Master oder Arbeitsmarkt: Was kommt jetzt eigentlich?

Laut Statistischem Bundesamt machen rund 45 Prozent aller Bachelor-Absolventinnen und Absolventen in Deutschland danach einen Master. Die andere Hälfte geht direkt arbeiten, macht eine Pause oder findet einen ganz anderen Weg. Du bist also nicht allein.

Es gibt keine richtige Antwort, die für alle passt. Aber es gibt Dinge, über die es sich lohnt, ernsthaft nachzudenken, bevor man aus Panik oder sozialem Druck eine Entscheidung trifft, die man eigentlich gar nicht selbst getroffen hat.

Spielen wir die Möglichkeiten mal durch …

Möglichkeit 1: Direkt einsteigen

Ich will endlich Geld verdienen. Raus aus dem Studentenleben, rein in den ersten richtigen Job. Ich stelle mir das erste Gehalt vor, das nicht von Bafög oder den Eltern kommt, die erste Wohnung, die wirklich mir gehört, das Gefühl, irgendwo gebraucht zu werden. Morgens gehe ich an einen Ort, an dem etwas auf mich wartet, und am Monatsende steht da eine Zahl, die ich mir selbst verdient habe.

So oder so ähnlich klingt der Gedanke nach drei, vier oder mehr Jahren Studium. Viele wollen endlich ankommen, Geld verdienen, selbstständig sein und nicht mehr zwischen Prüfungen und Semesterferien leben. Das ist verständlich, und in vielen Fällen auch die richtige Entscheidung.

Für viele Jobs wird gar kein Master benötigt. In Kommunikation, im Marketing, im Journalismus oder auch in Bereichen wie der IT zählen Erfahrung und Persönlichkeit oft mehr als ein zweiter Abschluss. Denn wer direkt einsteigt, sammelt praktische Erfahrung, die andere gerade nicht bekommen. Und das merkt man dann auch später im Lebenslauf. Zwei Jahre Berufserfahrung in der richtigen Branche können mehr wert sein als zwei weitere Jahre im Hörsaal, vor allem wenn man schon weiß, wo man hinwill.

Dazu kommt auch noch der finanzielle Aspekt. Ein Master kostet Zeit, also zwei Jahre, in denen andere schon arbeiten, Kontakte knüpfen und Geld verdienen. Wer früh einsteigt, baut früher ein Netzwerk auf, sammelt früher Verantwortung und wird früher als eigenständiger Mitarbeiter wahrgenommen.

Aber wie bei allem gibt es hier auch eine Schattenseite. Wer ohne klare Richtung einsteigt, landet zwar irgendwo, aber nicht unbedingt dort, wo er hinwill. Und aus „erstmal Geld verdienen“ wird schnell ein „ich mach das halt weiter“. Fünf Jahre später fragt man sich dann, wie und warum man da eigentlich gelandet ist. Das ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann: jahrelang etwas machen, das einem nie wirklich gefallen hat, weil man sich nie die Zeit genommen hat, sich ernsthaft zu fragen, was man eigentlich will.

Möglichkeit 2: Master machen

Was will ich denn eigentlich mit dem Master machen? Ich sehe mich in einem Seminarraum mit Leuten, die für dasselbe Thema brennen wie ich. Ich grabe mich tiefer in eine Frage, die mich wirklich packt, vielleicht in einer neuen Stadt, vielleicht sogar im Ausland. Zwei Jahre, in denen ich nicht einfach funktionieren muss, sondern verstehen darf, bevor es richtig losgeht.

So verlockend das klingt: Ein Master ist nicht nur einfach eine Verlängerung des Bachelors. Wer einen Master macht, sollte wissen, warum er ihn macht. „Weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll, also studiere ich einfach mal weiter“ ist oft kein guter Grund, denn in nicht wenigen Bereichen ist ein Master nicht wirklich nötig und der Fokus liegt stattdessen auf der Berufserfahrung.

In manchen Bereichen ist der Master aber wirklich nötig. Wer zum Beispiel in der Wissenschaft oder in Berufen wie der Unternehmensberatung oder in bestimmten Bereichen des öffentlichen Dienstes arbeiten will, braucht ihn. Wer zudem international arbeiten möchte, profitiert oft von einem internationalen Masterprogramm, sowohl für den Lebenslauf als auch für neue Kontakte und Perspektiven.

Ein guter Master gibt außerdem die Möglichkeit, sich wirklich in ein spezielles Thema zu vertiefen, mit Menschen, die denselben Fokus haben. Das findet man im normalen Arbeitsalltag selten. Und wenn man ein Thema gefunden hat, das einen wirklich interessiert, ist das ein echter Vorteil für alles, was danach kommt.

Wichtig ist aber: Der Abschluss allein öffnet keine Türen. Ein Master aus Unsicherheit heraus kostet Zeit und Geld, und wer zwei Jahre in einem Programm verbringt, das ihn nicht wirklich voranbringt und das ihn auch nicht unbedingt interessiert, hätte diese Zeit besser nutzen können.

Wenn es anders kommt als geplant

Du machst ein Praktikum in einem Bereich, der dich interessiert, und merkst: Das ist nichts für mich.

Das ist völlig okay.

Diese Erfahrung gibt dir mehr Orientierung als jede Beratung und jedes YouTube-Video. Denn du erlebst selbst, wie der Alltag wirklich aussieht. Ob das Umfeld in diesem Berufsfeld eins ist, in dem du dich wohlfühlst. Ob du dir das für die nächsten zehn Jahre vorstellen kannst.

Manche merken dabei auch, dass sie doch lieber einen Master machen wollen. Andere merken, dass sie eigentlich schon am richtigen Ort sind. Ähnliches gilt für Freiwilligendienste oder Auslandsaufenthalte nach dem Bachelor.

Dies sind wichtige Ergebnisse und besser, als es nie probiert zu haben.

Mut zur „Lücke“

Viele warnen vor der „Lücke“ im Lebenslauf. In der Praxis ist das aber oft gar nicht so schlimm, solange du erklären kannst, was du in dieser Zeit gemacht und gelernt hast. Ein Arbeitgeber, der dir eine sinnvoll genutzte Pause übelnimmt, ist wahrscheinlich nicht der Arbeitgeber, bei dem du langfristig glücklich wärst.

Das Schlimmste ist also nicht, etwas auszuprobieren und zu merken, dass es nichts für dich ist. Das Schlimmste ist, es nie herauszufinden und einfach irgendwo zu landen, ohne dich je gefragt zu haben, ob das wirklich der Ort ist, an dem du sein willst.

Ehrlich zu sich selbst sein und durchatmen

Am Ende gibt es keine Formel für dieses Thema. Aber es gibt Fragen, die helfen: Was will ich in fünf Jahren gemacht haben? Bringt mich dieser Master wirklich dahin? Oder bringt mich Berufserfahrung in der richtigen Branche mehr weiter? Und wenn ich ehrlich bin: Weiß ich überhaupt schon, was ich will, oder will ich mich erstmal noch ausprobieren?

Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, trifft die richtige Entscheidung. Und wer sie noch nicht beantworten kann, sollte nicht aus Panik entscheiden. Lieber jetzt kurz innehalten, ausprobieren, nachdenken, und dann mit einem klaren Kopf entscheiden, als Jahre später zu merken, dass man sich eigentlich nie wirklich entschieden hat.

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