Sorry not sorry

Sorry not sorry
„Entschuldigung, aber das sehe ich anders“, „Tut mir leid, dass ich störe“, „Sorry, ich hab’s leider nicht kleiner“: Habt ihr mal gezählt, wie oft ihr euch in Situationen entschuldigt, in denen das eigentlich gar nicht nötig wäre? 
Sich für Dinge zu entschuldigen, die wir selbst verbockt haben — klar, das soll auch so bleiben. Aber sogar wenn wir offensichtlich gar keine Schuld an etwas tragen, entschuldigen wir uns schon ganz automatisch. Wir benutzen Entschuldigungen fast inflationär, leiten damit Argumentationen ein und fangen Gespräche an. 
Wenn wir auf der Straße angerempelt werden, rutscht uns ein „Sorry“ raus. Wenn wir beim Shoppen das Personal nach einer anderen Größe fragen, beginnt es mit einem „’tschuldigung“. Dabei sind das leere Entschuldigungen: Wir haben nichts, für das wir um Verzeihung bitten müssten. Stattdessen packen wir unsere Äußerungen in Watte, um andere ja nicht vor den Kopf zu stoßen oder aus Angst, unhöflich zu sein. Dabei hat es nichts mit fehlender Höflichkeit zu tun, sich einfach mal nicht zu entschuldigen, wenn es nicht nötig ist.
Jene Tut-mir-leids, die nicht nur als vorgeschobener Puffer eigener Meinung dienen, sondern von Herzen kommen, sind nach wie vor nötig und wichtig. Wenn wir also selber die Person sind, die jemanden anrempelt, dann ist ein Pardon nach wie vor angebracht. Aber wir brauchen uns nicht entschuldigen, wenn uns jemand anderes auf den Fuß tritt. 
 
Ich wünsche euch eine schöne Woche, eure Vicky
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