„Kann Spuren von Ei enthalten.“
Ein Satz, der plötzlich über Erfolg oder Scheitern entscheiden kann. Genau mit diesem Moment beginnt für drei Studierende mit völlig unterschiedlichen Essgewohnheiten ein Selbstexperiment:
eine Woche lang komplett vegan ernähren. Keine Ausnahmen und Ausreden!

Drei Perspektiven. Ein Ziel.
Unsere Ausgangslage hätte unterschiedlicher kaum sein können: Jakob als Fleischesser, Henrike als Vegetarierin und Niklas als Ex-Veganer. Während zwei von uns bereits Erfahrungen damit hatten, sich bewusst pflanzlich zu ernähren, schien es für Jakob komplettes Neuland und somit vermutlich am schwierigsten zu sein.
Die Motivation war dabei nicht nur das Tierwohl. Veganismus wird häufig mit gesundheitlichen Vorteilen, Umweltaspekten und ethischen Fragen begründet. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kann eine vegane Ernährung gesundheitlich vorteilhaft sein, vorausgesetzt, sie ist gut geplant und deckt alle notwendigen Nährstoffe ab[1]. Dazu zählen wichtige Amino- und Fettsäuren, sowie Vitamine und Mineralstoffe.
Es wird außerdem empfohlen, regelmäßig die Blutwerte beim Arzt kontrollieren zu lassen, um eine Mangelernährung auszuschließen. Dies gilt für Veganer*innen, wie auch für Vegetarier*innen.[2]
Unser Experiment
08. April 2026, 18:00 Uhr: Startschuss!
Der erste vegane Einkauf erforderte definitiv mehr Aufmerksamkeit, besonders bei versteckten Inhaltsstoffen und vermeintlich pflanzlichen Produkten. Der Start verlief zunächst reibungslos.

„Wenn man einmal weiß, wo die veganen Ersatzprodukte sind und welche Produkte infrage kommen, geht der Einkauf gleich wieder viel schneller“, so Niklas. Dem stimmen wir alle zu. Auch unseren Proteinbedarf zu decken, war gar nicht so schwer wie vermutet: 71 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm bei einem veganen Hack können sich sehen lassen!
Wir zelebrierten den Einstieg mit einem gemeinsamen veganen Abendessen à la Gemüselasagne.
Auch das Mensaessen am Lingener Campus war uns gegenüber sehr zuvorkommend in den nächsten Tagen. Vegane Optionen waren täglich vorhanden und mit „10 Sekunden mehr Aufwand“ ließ sich – meines Erachtens – schnell eine passende Mahlzeit finden. Neben Pommes gab es Gerichte auf Soja- oder Erbsenproteinbasis, Tikka Masala, Tortellini und mehr.
Nach diesem relativ leichten Einstieg gingen wir optimistisch in die folgenden Tage.

Tag 4 und das soziale Umfeld
Spätestens an Tag 4 merkte man, wie entscheidend das soziale Umfeld ist. Hier war wirklich alles dabei: „Beim Grillen haben sie mir extra vegane Würstchen besorgt.“, aber auch „Nimm doch einfach normale Schokolade, merkt doch keiner.“ Beides erlebte Jakob in dieser Woche.
Bleiben wir standhaft, oder essen wir heimlich dieses Stück Schokolade?
Aussagen wie „Ihr esst den Kühen das Essen weg“ zeigen, wie selbstverständlich tierische Produkte für viele Menschen sind. Jakobs Meinung dazu: „Diese Sprüche haben mich eher motiviert, die Woche durchzuziehen!“ Und mit genau diesem Mindset fand der eigentliche Konflikt im Kopf statt: Das innere Ringen, diese Challenge durchzuziehen, und der gemischte Einfluss von außen, machen deutlich, wie stark Gewohnheiten und gesellschaftliche Normen unser Essverhalten beeinflussen.
Der Abschluss und die Routine
Die darauffolgenden Tage vergingen recht schnell, und auch die Einkäufe gingen immer schneller, nun da man wusste, wo die veganen Ersatzprodukte zu finden sind. Dennoch hatte man das Ende der Woche stets im Blick, denn einige tierische Produkte, die man noch zu Hause übrig hatte, warteten darauf, verspeist zu werden. Da Niklas an einem Tag unterwegs war, kaufte er sich im Vorbeigehen bei einer Bäckerei, eine pflanzliche Frikadelle.
Nachdem er sie aufgegessen hatte, fiel ihm ein, dass er gar nicht darauf geachtet hatte, ob diese auch wirklich vegan war. Das Gefühl des Unwohlseins tat sich in ihm auf, allerdings war es nun schon zu spät, um herauszufinden, ob er die Challenge nun verloren hatte oder nicht!
Tag 7: 15. April 2026, 16:00 Uhr: Fast im Ziel!
Zu Beginn hatten wir die Sorge, dass uns bestimmtes Essen fehlen würde. Am Ende war die Rechtfertigung, etwas nicht-Veganes abzulehnen, aufgrund des sozialen Umfelds, aber viel anstrengender.
Am schwierigsten ist es, die vegane Ernährung umzusetzen, „wenn der Zugang zu veganem Essen beschränkt ist – wie auf Reisen.“ Laut Niklas. Hier ist die richtige Vorbereitung der Schlüssel, ebenso wie die Vorbereitung, wenn man in ein Gespräch mit einer Person geht, die kein Verständnis für diese Ernährungsform hat.
Und was hat sich für uns persönlich nach dieser Woche verändert?
„Veganer werde ich wahrscheinlich nicht.“ ,schlussfolgert Jakob. Ihm haben besonders Käse und Eier gefehlt.
Auch Niklas als Ex-Veganer hat aktuell nicht vor, zurück zum Veganismus zu kommen. Somit entschieden wir beide Vegetarier*in zu bleiben, um hin und wieder auf Produkte wie Käse, Eier oder Honig zurückgreifen zu können.
Dennoch hat uns diese Woche sehr positiv beeinflusst. Jakob hat sich vorgenommen, von nun an einen veganen Tag pro Woche einzuführen und hat durch die Challenge einen neuen Lieblingssnack entdeckt: Selleriestangen!
Somit bleibt für uns keine radikale Umstellung, aber ein noch bewussterer Umgang mit Ernährung und vielleicht die ersten kleinen Schritte zu langfristigen Veränderungen. Wenn der Verzicht auf tierische Produkte noch mehr in unserer Gesellschaft akzeptiert wird, schrumpft sicherlich auch unser Appetit darauf.
Dich interessieren vegane Gerichte? Hier ein Link zu leckeren Rezepten: https://veganuary.com/de/rezepte/
Quelle: Freepik
[1]Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): FAQ vegane Ernährung. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/faqs-vegane-ernaehrung/
[2]Herzmedizin.de: Vegane Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/vorsorge/herzgesunde-ernaehrung/vegane-ernaehrung-herz-kreislauf-erkrankung


