Der Gang zum Arzt ist für viele Menschen unangenehm und wird gerne, wenn möglich vermieden. Zu schambehaftet, aufwendig oder überflüssig, um sich einem nicht hochgradig akuten Problem anzunehmen. Gerade weil Patienten, insbesondere Frauen sich häufig nicht ernstgenommen fühlen, gehen viele Menschen später zum Arzt als sie es eigentlich sollten. Diese patientenunfreundliche Umgangsart wird unter andere, Medical Gaslighting genannt und betrifft vor allem Frauen.
Um diesem Problem entgegenzuwirken ist es notwendig, dass Ärzte an ihrer Kommunikation mit Patienten arbeiten. Kommunikation hat schließlich einen nachgewiesenen positiven Effekt auf die Gesundung des Patienten. Doch wie sieht eine progressive Kommunikation zwischen Arzt und Patient aus?

Wenn Patienten mitreden, wird Medizin besser
Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Kommunikationsstile unterscheiden. Der paternalistische Ansatz ist arztzentriert und stellt seine Interessen in den Vordergrund, woraus sich eine dominante Gesprächsrolle des Arztes ableitet. Das Informationsmodell hingegen sieht den Arzt als Informationsdienstleister für den Patienten und versorgt diesen mit dem nötigen Wissen, um vollständig eigene Entscheidungen zu treffen. Der Ansatz der gemeinsamen Entscheidungsfindung hingegen sieht eine Partnerschaft zwischen Arzt und Patient vor in der beide ihre Expertise einbringen, um eine für den Patienten optimale Entscheidung zu treffen. Der zwischen beiden vorherrschenden Informationsasymmetrie wird somit entgegengewirkt, indem der Arzt sein medizinisches Fachwissen und der Patient seine Perspektive einbringt.
Warum Beteiligung wirkt
Ein zentrales Argument für den patientenzentrierten Ansatz sind die positiven Effekte des Kommunikationsstils. Durch die aktive Teilhabe am Entscheidungsprozess treffen Patienten autonome Entscheidungen. Die Selbstwirksamkeit erhöht sich, wodurch die Wahrscheinlichkeit sich an die medizinischen Vorgaben zur Gesundung zu halten steigert.
Aus rein ökonomischer Sicht wirkt dieser Ansatz dementsprechend präventiv, um zu vermeiden, dass ein Patient aus Unzufriedenheit mit dem Behandlungsansatz einen weiteren Arzt aufsucht.
Gerade bei Unsicherheit und chronischen Erkrankungen ist Partizipation wichtig
Besonders wichtig ist Partizipation in Situationen, in denen Angst, Unsicherheit oder ein Kontrollverlust dominieren. Chronische Erkrankungen gehen daher häufig mit einem sehr partizipatorischen Kommunikationsstil einher. Patienten sollen bei der Behandlung ihre Präferenzen angeben, sodass ihre Lebensqualität möglichst groß bleibt.

Auch bei schwierigen Nachrichten zeigt sich der Wert partizipativer Kommunikation. Schlechte Diagnosen oder belastende Therapieschritte lassen sich nicht vermeiden. Durch eine patientenzentrierte Ansprache kann auf die Bedürfnisse der Betroffenen dafür Rücksicht genommen werden. Das ist vor allem dann entscheidend, wenn Lebensqualität, Lebensziele oder familiäre Folgen berührt sind.
Grenzen im Alltag
Trotz der überzeugenden positiven Aspekte eines patientenzentrierten Ansatzes, bleibt diese Versorgungsart in der allgemeinmedizinischen Versorgung eher Ausnahme als Regel . Als Gründe dafür werden häufig Zeitdruck, ökonomische Zwänge, kommunikative Überforderung und besondere Patientengruppen als zentrale Hürden angeführt . Wer in wenigen Minuten möglichst viele Fälle bearbeiten muss, kommt schnell in Versuchung, Entscheidungen abzukürzen. Genau dort entstehen jedoch Missverständnisse, Unsicherheit und oft auch spätere Zusatzkosten.
Zusätzlich möchte nicht jeder Mensch in gleichem Maß beteiligt sein. Manche bevorzugen es genau informiert zu werden und selbst zu entscheiden, andere überlassen die Entscheidung lieber dem Arzt. Partizipation ist deshalb keine einfache Theorie, welche man anwenden muss, sondern eine flexible Haltung. Sie sollte zur Situation, zur Belastung und zum Wunsch der jeweiligen Person passen.
Fazit für die Praxis
Auch wenn der Ansatz seine Grenzen hat, wird deutlich, dass Teilhabe an medizinischen Entscheidungen häufig gewünscht und für alle Beteiligten vorteilhaft ist. Lediglich an der praktischen Umsetzung mangelt es bisher. Vielen Ärzten ist der Ansatz jedoch bekannt. Es lohnt sich daher bei seinem nächsten Arztbesuch mehr Beteiligung aktiv einzufordern.


