Ein Roadtrip durch Neuseeland

Ein Roadtrip durch Neuseeland

Der Rucksack ist gepackt, das Auto gekauft, die erste Unterkunft gebucht. Und der Rest? Das kommt unterwegs.

Genau so begann für Emma, Paula und Anna-Lena das Abenteuer „Neuseeland“. Was als Reise ans andere Ende der Welt startete, wurde für alle drei zu einer Erfahrung zwischen Arbeit, Freiheit, Unsicherheit und persönlichem Wachstum.

Die drei waren unabhängig zum selben Zeitraum in 2023-2024 in Neuseeland und lernten sich ein Jahr später im Studium kennen.

Neuseeland war für sie nicht nur ein Reiseziel, sondern ein Lebensabschnitt, der sie für immer begleitet.

Hardfacts zu Neuseeland

Neuseeland ist ein geografisch isolierter Inselstaat im südlichen Pazifik. Auf der Weltkarte kann er schnell übersehen werden. Neuseeland besteht  aus Nord- und Südinsel und ist unter dem Māori-Namen Aotearoa bekannt.

Neuseeland ist nicht nur landschaftlich spektakulär, sondern auch kulturell und historisch bemerkenswert: Die Māori sind die indigene Bevölkerung, und ihre Sprache sowie Traditionen prägen die nationale Identität bis heute.

In Neuseeland gibt es eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt mit vielen einheimische Arten. Der Kiwi ist Nationalsymbol und zugleich Namensgeber für die Einwohnerinnen und Einwohner des Landes. Außerdem gibt es faszinierende Naturphänomene, die einen zum Staunen bringen. Dazu gehören Vulkane, Berge, Fjorde, der einheimische Wald und vieles mehr.

Von Deutschland aus ist die Luftlinie mehr als 18.000 Kilometer und der Flug von Frankfurt nach Neuseeland dauert ungefähr 22-24 Stunden, manchmal sogar länger.

Warum eigentlich Neuseeland?

Die Auswahl an Ländern für eine lange Reise ist groß. Für Emma war zunächst eigentlich Kanada geplant. Erst als ihre Halbschwester von ihrer Zeit in Neuseeland schwärmte, änderten sich die Pläne kurzfristig. Paula wurde durch Freunde auf das Land aufmerksam, die nach ihrer Rückkehr so begeistert davon erzählten, dass sich der Wunsch nach Neuseeland schnell festsetzte. Anna-Lena wiederum wusste schon vor dem Abitur, dass sie weg wollte. Neuseeland überzeugte sie vor allem, weil es weit weg ist. Und weil sie später im Leben vermutlich nicht mehr so einfach die Möglichkeit hätte, für so lange Zeit aufzubrechen.

Schon die Vorbereitung auf die Reise zeigt, wie unterschiedlich die drei ihren Aufbruch erlebt haben. Emma reiste mit ihrer besten Freundin, mit der sie bereits seit der Grundschule von einer gemeinsamen großen Reise geträumt hatte. Paula war mit ihrer besten Freundin unterwegs; auch bei ihnen stand von Anfang an fest, dass sie diese Erfahrung gemeinsam machen wollten. Anna-Lena startete zunächst mit ihrer Mutter die Reise. Für drei Wochen waren sie gemeinsam auf der Südinsel. Danach ging die Soloreise los, wodurch sie viele neue Selbstständigkeit gewonn. Allen gemeinsam war der Wunsch, nicht einfach nur Urlaub zu machen, sondern wirklich für eine Zeit in ein anderes Leben einzutauchen.

Wie offen die Reise gestaltet werden kann, zeigt sich auch in der Planung der drei. Emma  hatte zwar einen Zwischenstopp in Hongkong und die ersten zwei Wochen in einem Hostel in Auckland fest gebucht, vieles andere ergab sich aber erst unterwegs. Paula plante Flug, Kreditkarte, Bankkonto, erste Unterkunft und Rucksack im Voraus – der Rest waren für sie zunächst „Zukunftsprobleme“. Auch Anna-Lena plante akribisch die Reise und benötigte Dokumente. Sie bereitete ihre Route dagegen deutlich genauer vor und plante schon vorab die ersten drei Stationen auf Farmen und bei Familien ein, ab dann ging es grob nach gedachter Route. Ihr war es wichtig vorerst drei sichere Unterkünfte in dem fremden Land zu haben.

Das Auto war für alle ein zentrales Thema. Doch gerade der Kauf gestaltete sich schwieriger als gedacht. Emma und Antonia mussten ihren Aufenthalt in Auckland sogar verlängern, weil sie vor Ort länger nach einem passenden Wagen suchten. Paula kam über Kontakte und schließlich eine Werkstatt zu ihrem Auto. Anna-Lena buchte ihren Wagen vorab über die Webseite KiwiQuest, rät aber ausdrücklich dazu, das Auto vor dem Kauf gründlich zu überprüfen und eine Mitgliedschaft bei Automobile Association, kurz AA (neuseeländisches ADAC) anzumelden.

Was außerdem wichtig ist, ist vorher ein Visum zu beantragen. Für ein Work and Travel ist ein Working Holiday Visa nötig. Dies ist bis zu 12 Monate und für 18–30-jährige Personen gültig.

Arbeiten statt Reisen

Work and Travel bedeutete für alle drei nicht nur Reisen, sondern auch Arbeiten. Sie haben vor Neuseeland viel gearbeitet und gespart. Die jobs waren auch wild gemischt, sei es Kellnern, Service auf veranstaltungen, in der Produktion oder im Einzelhandel. Jedoch merkt man vor Ort schnell, dass Neuseeland teurer ist als Deutschland, vor allem die Lebensmittel.

Zum Beispiel kostet in Neuseeland ein Kilogramm Karotten 1,60 € bis 2,65 €, in Deutschland durchschnittlich 1,49 € bis 2,00 €.

Deshalb arbeiteten Emma und ihre Freundin während ihrer Reise noch einmal rund zwei Monate – zuerst auf einer Kiwi- und später auf einer Apfelplantage. Paula arbeitete insgesamt drei Monate lang auf Plantagen und kehrte später sogar noch einmal zur Apfelernte zurück. Anna-Lena sammelte in Neuseeland Erfahrungen mit WWOOFing und HelpX  und arbeitete gegen Unterkunft und Verpflegung bei Familien und auf Farmen.

Die Arbeit selbst war meist körperlich anstrengend, aber zugleich prägend. Emma beschreibt ihre Arbeit als lang und fordernd. Dort mussten qualitativ schlechtere Kiwis aussortiert werden, später folgte die Arbeit auf einer Apfelfarm, wo sie sich um Pink-Lady-Äpfel kümmerten. Der zweite Job habe ihr deutlich besser gefallen – nicht zuletzt wegen des humorvollen Chefs und der vielen anderen deutschen Backpacker.

Paula erinnert sich an die Arbeit auf der Kiwi-Plantage als an einen Prozess vom Bestäuben der Blüten bis zum Ausdünnen und Pflegen der Früchte. Auf der Apfelfarm übernahm sie später den Qualitätscheck und kontrollierte jeden einzelnen Apfel auf Farbe, Form, Größe und mögliche Schäden. Für Anna-Lena bestand die Arbeit bei WWOOFing und HelpX aus Tätigkeiten wie Jäten, Hilfe im Haushalt, Kinderbetreuung, dem Füttern von Schafen und Kühen. Gerade dieser direkte Kontakt zu den Menschen vor Ort machte die Erfahrung für sie besonders. Sie durfte sogar bei Geburtstagen dabei sein und konnte Weihnachten in Gemeinschaft feiern. „Man lernt Leute fürs Leben kennen“, sagt sie.

Neben der Arbeit war auch die Art des Reisens prägend. Alle drei bereisten sowohl die Nord- als auch die Südinsel mit dem Auto. Paula beschreibt, wie hilfreich Camper-Apps  Beispiele Roady und xxx waren, um freie Stellplätze, Duschen, Toiletten und Campingplätze zu finden. Anna-Lena nutzte ihr Auto ebenfalls als zentrales Element ihrer Reise – zeitweise schlief sie sogar darin, auf Campingplätzen oder auf Gelände, wo Freedom Camping erlaubt ist.

Freedom Camping in Neuseeland bedeutet, kostenlos auf dafür erlaubten öffentlichen Plätzen mit Zelt oder Camper zu übernachten.  Apps wie Rankers Camping NZ und CamperMate helfen dabei, legale Plätze sowie wichtige Infos zu finden.

 

Die Freiheit, jederzeit weiterfahren zu können, war für alle drei wichtig. Gleichzeitig verlangte genau diese Form des Reisens viel Flexibilität. Nicht immer funktionierte alles sofort, nicht immer verlief der Tag nach Plan. Doch gerade das machte den Reiz aus. Und falls das Auto mal liegen bleibt, helfen die Neuseeländer, auch Kiwis genannt, immer direkt.

Unterkünfte und Liebslingsorte

Hostels spielten vor allem bei Emma und Paula eine Rolle, aber auch Anna-Lena nutzte sie in den größeren Städten oder in wenig besiedelten Gegenden, vor allem auf der Südinsel. Emma achtete besonders auf Bewertungen, Sicherheit und Sauberkeit. Sie und ihre Freundin waren bereit, dafür auch etwas mehr zu bezahlen, wenn sie sich dadurch wohler fühlten. Paula wählte ihre Hostels ebenfalls bewusst aus, wobei ihr nicht nur der Preis, sondern auch das Gefühl von Gemeinschaft wichtig war. Anna-Lena achtete vor allem auf gute Bewertungen und Frauenzimmer. Neben Hostels gibt es auch eine gute Auswahl von AirBnBs oder Bed and Breakfasts, natürlich unterscheiden sich diese Optionen stark im Preis.

Besonders sichtbar wird die Faszination Neuseelands in den Orten, die die drei nennen. Emma erinnert sich vor allem an Napier, Christchurch, den Abel Tasman National Park, Wanaka, Queenstown, den Milford Sound und die Region rund um Mount Cook. Ihr Lieblingsort war der Abel Tasman National Park, dessen Mischung aus Bergen, Meer und entspannter Atmosphäre ihr besonders gefallen hat.

Paula nennt unter anderem die Huka Falls, Roy’s Peak, das Tongariro Alpine Crossing, das Fjordland und den Milford Sound. Ihr persönlicher Lieblingsort wurde Gisborne – nicht unbedingt der bekannteste Ort, aber einer, an dem sie gearbeitet, gelebt und viele Menschen kennengelernt hat, die ihr ans Herz gewachsen sind.

Anna-Lena nennt das Motueka Valley, Dunedin, die Catlins, Lake Tekapo, Raglan, Franz Josef und Taupo. Zu ihren Lieblingsorten zählen auch unbekannte, kleine Orte wie Whanganui und Pirongia, nicht wegen den Orten selbst, sondern wegen den Menschen, die sie dort kennenlernen durfte und lange Zeit verbracht hat.

 

Wenn die drei Frauen anderen etwas mit auf den Weg geben möchten, dann diese einfachen Grundsätze: offen bleiben, nicht zu viel vorausplanen und sich auf das Unbekannte einlassen.

Weitere Tipps sind sich für die Südinsel genug Zeit einzuplanen und unbedingt auch an warme Kleidung zu denken, das Wetter kann sich schnell ändern. Paula rät dazu, spontan zu bleiben, offen für neue Begegnungen zu sein und sich nicht zu sehr an festen Vorstellungen festzuhalten. Anna-Lena sagt klar: Einfach machen. Wer weg will, sollte sich trauen, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen. „Wenn es euch nicht irgendwo gefällt, ist es in Ordnung, wenn ihr geht“, sagt sie, besonders im Zusammenhang mit Arbeitsorten.

Trotz mancher Unterschiede in den Erfahrungen eint die drei am Ende vor allem eines: der Wunsch, wieder zurückzukehren.

 

Für alle drei ist Neuseeland mehr als ein Ort auf der Landkarte. Es ist eine Zeit, in der sie selbstständiger, offener und mutiger geworden sind.

Emma erzählt, dass sie in Neuseeland vieles zum ersten Mal allein gemacht hat: Autofahren auf der anderen Straßenseite, Finanzen planen, Jobs suchen, Alltag organisieren. Paula beschreibt, wie sie durch die Reise offener, lockerer und selbstsicherer geworden ist. Anna-Lena spricht davon, dass sie durch die Begegnungen und Erfahrungen neue Perspektiven kennengelernt und gelernt habe, Dinge gelassener zu nehmen und dass ein Plan nicht immer funktionieren muss. Alle drei sind sich einig: Diese Reise hat sie verändert. Nicht, weil alles perfekt lief, sondern gerade, weil nicht alles planbar war.

 

Neuseeland steht damit für weit mehr als spektakuläre Landschaften und berühmte Sehenswürdigkeiten. Für Emma, Paula und Anna-Lena war das Land ein Ort der Begegnungen, der Arbeit, der Freiheit und des persönlichen Wachstums. Zwischen Kiwi-Plantagen, Roadtrip und Hostelküche wurde aus einer Reise eine prägende Lebenserfahrung. Und genau das macht Work and Travel für viele so besonders: Man kommt nicht nur mit Erinnerungen zurück, sondern oft auch mit einem neuen Blick auf sich selbst.

 

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