Wenn Männer regieren
Rezension über die Serie „The Testaments: die Zeugninnen“
Wie würde eine Welt aussehen, in der Männer die Macht an sich reißen und Frauen ihre Selbstbestimmung verlieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Serie „The Testaments: die Zeuginnen“ (2026), die aktuell auf Disney+ läuft und als Nachfolger von „The Handmaid‘s Tale – Der Report der Magd“ gilt.
Handlung
Es geht um den totalitären Staat Gilead, in dem die Frauen den Männern auf grausame Weise unterworfen sind. Die Coming-of-Age-Serie zeigt die Perspektiven dreier Frauen: Tante Lydia ist die Leiterin der streng-religiösen Erziehungsschule für Gileads Mädchen. Agnes wird dort zur frommen Ehefrau herangezogen und ihren „Dienst“ antreten, sobald sie „fruchtbar“ ist. Agnes hält sich an „Gottes“ Regeln, bis sie auf Daisy trifft. Die Teenagerin kommt aus Kanada und deckt nach und nach die Geheimnisse Gileads auf.
Alle drei merken, dass die Mauern von Gilead langsam zusammenbrechen, und jede geht anders damit um.

Was bei mir hängen bleibt
Für das absurde Szenario lassen sich keine Worte finden. Einige Szenen sind brutal. Trotzdem ist die Idee der Serie gut gemacht, besonders gefallen mir die Perspektivwechsel und die damit verbundenen Zeitsprünge in die Vergangenheit.
Zugegebenermaßen ist der Einstieg komplex, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Ich musste mich erstmal durch die ersten Folgen zwingen, bis ich die Handlung verstanden habe. Danach konnte man sich auf die einzelnen Figuren einlassen.
Auch die Nebencharaktere, also die Mädchen innerhalb der Freundesgruppe, strahlen eigene Persönlichkeiten aus. Dadurch kann man Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Jeder wird ein anderes „von Gott gewähltes Schicksal“ zugeschrieben.
Mehr als nur Fiktion
Die Serie verdient weit mehr Aufmerksamkeit, als sie bisher erhalten hat – denn sie trifft einen Nerv unserer Zeit. Nicht nur in Gilead, sondern auch in unserer Gesellschaft wird Politik von Männern gemacht, die Frauenrechte als verhandelbar betrachten. So verlieren Frauen in Ländern wie Afghanistan sowohl ihre Stimmen als auch ihr Recht auf Selbstbestimmung. Noch 2026 gehen Frauen auf die Straße, um einzufordern, was Männern nie verwehrt wurde. „The Testaments: die Zeuginnen“ ist nichts anderes als eine unbequeme Erinnerung daran, dass Gilead keine reine Dystopie ist. Das Bild, das uns dort vermittelt wird, ist längst noch nicht Vergangenheit, sondern für Millionen von Frauen bittere Gegenwart.
Insgesamt kann ich die dystopische Serie nur empfehlen. Die ausgearbeiteten Details und die Message dahinter sind genial aufgebaut. Wer plant, diese Serie zu schauen, sollte sich aber bewusst sein, dass die Mädchen dort zutiefst manipuliert werden und die von den Männern errichteten Regeln und Werte krankhaft sind.
Also Vorsicht – zu viel Mitgefühl könnte hier direkt ins Herz treffen!
Hier geht’s zum Trailer: „The Testaments: die Zeuginnen“

