Die Bundesregierung hat zu Beginn des Jahres das Wehrdienstgesetz überarbeitet, um den Soldatenstand der Bundeswehr auszubauen . Ziel dieser Strategie ist es insbesondere mehr junge Menschen zu rekrutieren. Ab dem Jahrgang 2008 erhalten junge Menschen einen Fragebogen der Bundeswehr. Angegeben werden sollen Eignung und Motivation gegenüber der Bundeswehr . Für Männer sind die Angaben verpflichtend, für Frauen hingegen freiwillig.
Im April dieses Jahres wurde zusätzlich ein pikantes Detail des Gesetzes bekannt. Männer zwischen 17 und 45 Jahren seien demnach verpflichtet anzugeben, wenn sie einen Auslandsaufenthalt von mindestens 3 Monaten planen. Mittlerweile wurde die Regelung gekippt, obgleich sie wie angekündigt keine praktische Relevanz hatte. Der Verteidigungsminister und das Ministerium hätten ihre Kompetenzen weit überschritten und seien nicht dazu berechtigt gewesen derartige Entscheidungen zu treffen.
Auch wenn die Maßnahme in der kurzen Zeit keine Implikationen wie Bußgelder oder Haftstrafen nach sich zog, sind besonders Männer mit einer potenziellen Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit konfrontiert gewesen. Wie geht es jungen Menschen damit, insbesondere in Bezug auf ihre Zukunftsplanung?
Ben hat dieses Jahr seinen Abschluss gemacht und steht vor einem neuen Lebensabschnitt. Wie alle anderen des Jahrgangs 2008 hat auch er Post von der Bundeswehr erhalten. Wie hat die veränderte Situation seine Perspektiven beeinflusst und ihn belastet? Das Interview mit dem 18-jährigen währt Einblicke in die Sicht eines Betroffenen:
Ben, du hast gerade dein Abitur hinter dich gebracht. Freust du dich auf das, was jetzt kommt?
Ich würde sagen ja, aber es ist schon auch so, dass ich mich viel darum Sachen kümmern muss, was ich jetzt mache. Es ist eine Phase, in der man einfach froh ist, dass man’s hinter sich gebracht hat und sich auf das freuen kann, was jetzt kommt. Gleichzeitig muss ich mich mit Dingen auseinandersetzen, mit denen man sich vorher noch nie befasst hat. Deswegen ist alles ein bisschen neu und aufregend.
Welche Rolle spielt die Bundeswehr in deinen Planungen?
Gar keine. Also ich habe kurzzeitig mal überlegt, ob ich zur Bundeswehr gehe, aber das ist überhaupt nichts für mich, glaube ich. Ich bin jetzt auch nicht 100 % abgeneigt und glaube nicht, dass es so schlimm ist, wie viele sagen. Ein paar Freunde von mir gehen jetzt auch in den Wehrdienst.
Hat sich für dich etwas durch das neue Bundeswehrgesetz geändert?
Nein, eigentlich nicht. Wir haben alle einen Brief erhalten, aber für mich hat sich trotzdem nichts geändert. Nur was man mitbekommt – die Bundeswehr und die Frage, ob man sich vorstellen kann ein Soldat zu sein, ist wieder präsenter geworden. Aber es hat sich jetzt nichts aktiv geändert.
Hast du Angst vor einem möglichen Verteidigungsfall?
Eigentlich nicht. Natürlich hat man da keine Lust drauf. Aber ich bin jetzt nicht so tief in dem Thema drin. Wehrpflicht gibt’s ja nicht und deswegen würde mich das jetzt nicht direkt treffen, falls sowas eintreten würde. Von daher natürlich hat man selbstverständlich Bedenken mit der aktuellen Lage, aber ich habe für mich keine persönlichen Sorgen.
Fühlst du dich durch die Pläne der Bundesregierung eingeschränkt?
Ich habe nicht so ganz vor Augen, was konkret die Pläne der Bundesregierung sind. Deswegen eigentlich nicht, weil ich glaube, wenn es mich krass einschränken würde, dann hätte ich es mitbekommen. Außerhalb vom Thema Bundeswehr habe ich jetzt nichts großartig mitbekommen, was sich jetzt heftig ändern soll. Daher würde ich nein sagen.
Könntest du dir vorstellen im Ernstfall für dein Land zu kämpfen?
Ja, kann ich mir schon vorstellen. Freiwillig will ich nicht anfangen, auch wenn es ein sehr gutes Gehalt gibt, aber das überzeugt mich nicht. Nicht, dass der Geldbetrag nicht reicht, sondern das Gehalt überzeugt mich einfach nicht.
An sich könnte ich mir das aber schon vorstellen. Ich bin nicht komplett gegen die Bundeswehr, wie viele andere in meinem Alter. Ich würde sagen, es gibt zwei Seiten: Die einen sind sehr offen dafür und gehen da auch freiwillig hin. Die anderen sind wirklich extrem abgeneigt und haben da auch Angst vor. Ich bin bei keinem von beiden komplett dabei. Ich könnte es mir vorstellen, aber ich möchte es nicht aktiv.
Was würdest du dir für deine Zukunft wünschen?
Ich denke jetzt erstmal studieren und dann in dem Bereich, in dem ich mich wohlfühle, arbeiten und durch schöne Zufälle und viel Fleiß und Arbeit sich hocharbeiten und neue Chancen bekommen. Gutes Geld verdienen und sich wohlfühlen mit dem, was man tut – Spaß an erster Stelle, Geld an zweiter Stelle. Eine entspannte Zukunft, die finanziell keine Schwierigkeiten bereitet.


