
Am anderen Ende der Welt – zu Zeiten der Corona-Krise
31. März 2020
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Quelle: Redaktion
Das Fenster der Lindenstraße

Es ist Freitag, der 20.03.2020. Als ich aufwache, weiß ich, heute Abend geht es endlich nach Hause. Doch vorher liegt noch ein ganzer Tag Vorlesungen vor mir. Um acht Uhr geht es los. Vorteil von Online-Vorlesungen: Man fällt quasi aus dem Bett vor den Laptop in den virtuellen Hörsaal. Kurz vorher noch die aktuellen Nachrichten lesen: Weitere Ausgangssperren in Bayern, Kommentare zu Merkels Rede und Aktualisierungen der Corona-Infizierten in Italien, Spanien und Deutschland – Tendenz steigend. „Ohje“, ist gerade das Einzige, was mir dazu in den Sinn kommt. Und jetzt ab an den Schreibtisch.
Abschied
Mittagessen – ein letztes Mal zusammen mit meiner Mitbewohnerin. Wann ich wiederkommen werde, ist noch unklar. Auch wenn die WG sich wie Zuhause anfühlt, ist es immer etwas anderes zu der Familie zu fahren. Nach dem Mittagessen und einer etwas missglückten Online-Vorlesung (Nachteil von Online-Vorlesungen: Alles ist neu, niemand weiß so wirklich mit Zoom umzugehen und jeder muss noch viel dazulernen) werden die Koffer gepackt. Auch hier überkommt mich die Ungewissheit. Was und vor allem wie viel packe ich ein? Wie lange bleibe ich Zuhause? Irgendwie alles nicht ganz abschätzbar, aber das ist okay. Als dann der Koffer gepackt ist, ist auch die Unsicherheit weg – ab zum Bahnhof also, für einen kurzen Moment die Isolation verlassen.
Heimkommen
„Geben Sie Acht auf sich und andere. Fahren Sie in den kommenden Wochen nur, wenn es unumgänglich ist.“
Das lese ich, als ich ans Gleis des Lingener Bahnhofs trete. „…nur wenn es unumgänglich ist…“ – lange noch denke ich darüber nach. Umgänglich schon, aber ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit überhaupt noch habe, nach Hause fahren zu können, eine Familie und ein Dach über dem Kopf zu haben und vor allem gesund zu sein. Doch vor mir liegen noch ein bisschen mehr als drei Stunden Fahrt.
Im Zug merke ich schnell: Das wird eine entspannte Fahrt. Bis kurz vor Düsseldorf bin ich tatsächlich die einzige in dem Wagon und auch danach sind es nur eine Handvoll Menschen, die dazusteigen. Also doch irgendwie ein wenig Isolation außerhalb der Isolation. Trotzdem ein komisches Gefühl, gerade in einem sonst so vollen Zug. Immerhin sieht man aber, dass die Menschen die Dringlichkeit verstehen und zuhause bleiben – wenigstens etwas Gutes.
Während der Fahrt wird, wie eigentlich bei jeder Zugfahrt, gelesen. Heute auf der Liste steht: „The Defining Decade“ von Meg Jay. Gerade in Zeiten von Corona ertappe ich mich nämlich immer wieder, wie ich mich frage, ob und wie ich die eigenen 20er Jahre, in denen ich mich mit meinen 21 Jahren befinde, richtig und effektiv nutzen kann. Dieses Buch gibt ein bisschen Klarheit und auch jetzt gerade Zuversicht, dass die 20er wichtige und ausschlaggebende Jahre werden können, wenn man sie richtig zu nutzen weiß.
„In Kürze erreichen wir Bonn Hauptbahnhof“ – endlich. Obwohl wenig los war und der Zug eigentlich pünktlich losgefahren ist, erreichen wir Bonn mit einer Verspätung von zehn Minuten. „Wie die Bahn das bloß immer schafft…“, denke ich mir und lache ein wenig. Naja, immerhin bin ich jetzt da. Bis bald Lingen – Hallo Bonn!
Heimkommen – auch in dieser Zeit ein tolles Gefühl.
Bleibt wie immer gesund, zuhause und verbringt die Zeit wenn möglich mit euren Liebsten!
