Wenn das Licht fehlt – Was passiert bei Winterdepressionen? 


Wenn morgens wieder Licht durch die Fenster fällt und der Wecker nicht mehr im Dunkeln klingelt, wirkt auch der Weg zur Hochschule plötzlich weniger schwer.

Die Heimfahrt endet nicht mehr in der Dunkelheit – und mit dem Licht kehrt bei vielen Menschen auch die Leichtigkeit zurück.


7:15 Uhr. Der Wecker klingelt, draußen ist es noch dunkel. Auf dem Weg zur Hochschule hängen graue Wolken über der Stadt, die Luft ist kalt, die Straßen wirken leer.

Nachmittags, wenn die Vorlesungen vorbei sind, ist es schon wieder dunkel. Viele Menschen fühlen sich in den Wintermonaten müde, antriebslos oder gereizt.

Dann heißt es schnell: „Ich habe bestimmt eine Winterdepression.“

Doch was ist das eigentlich genau? 

Wenn die Tage kürzer werden und das Sonnenlicht fehlt, ist bei vielen Menschen die Laune im Keller. Für die meisten bleibt es bei einem kleinen Stimmungstief. Dieser Zustand klingt mit der Zeit aber wieder ab und die Stimmung hellt sich auf. Andere leiden jedoch jedes Jahr unter denselben Beschwerden – und dahinter kann tatsächlich eine saisonale Depression stecken. 

Was sind Depressionen? 

Depressionen sind eine ernstzunehmende Erkrankung. Sie wirken sich stark auf  Gedanken, Gefühle und Handlungen eines Menschen aus. Bei den Krankheitssymptomen wird zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen unterschieden, die mindestens zwei Wochen andauern müssen, um als „Depression“ diagnostiziert zu werden.  

Hauptsymptome

  • Gedrückte Stimmung  
  • Interessenverlust
  • Antriebslosigkeit

Zusatzsymptome

  • Geringe Konzentration und Aufmerksamkeit 
  • Geringes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen 
  • Schuldgefühle
  • Suizidgedanken
  • Schlafstörungen
  • Appetitverlust

Der Schweregrad der Gemütskrankheit lässt sich daran erkennen, wie viele Haupt- und Zusatzsymptome auf eine Person zutreffen [vgl. Meier, 2022, 44]. 

2 Haupt- und 2 Zusatzsymptome =leichte depressive Episode
2 Haupt- und 3-4 Zusatzsymptome =mittlere depressive Episode
3 Hauptsymptome und mehr als 4 Zusatzsymptome =schwere depressive Episode, evtl. mit Wahnsymptomen

Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen und können jeden treffen. 17,1 Prozent der Erwachsenen (18-65 Jahre) in Deutschland erleiden mindestens einmal in ihrem Leben eine Depressivität. 

Was sind Winterdepressionen und wo liegt der Unterschied zur Depression? 

Im klinischen Sinne werden saisonal abhängige Depressionen, auch Winterdepressionen genannt, ähnlich behandelt wie andere Formen der depressiven Verstimmung – denn letztlich sind sie genau das: eine Form der Depression.

Von Winterdepressionen wird gesprochen, wenn die depressiven Phasen („Episoden“) ausschließlich und wiederholt in den Wintermonaten auftreten. Zwar kommen auch Episoden anderer depressiven Formen im Winter gehäuft vor, doch nur ca. ein bis zwei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden tatsächlich an einer Winterdepression.  

Wichtig ist deshalb: Nicht jede Depression im Winter ist automatisch eine Winterdepression. 

Die Symptome ähneln stark den Anzeichen für eine ganzjährig auftretende Depression, allerdings lassen sich neben dem saisonalen Muster vor allem zwei atypische Symptome den Winterdepressionen zuordnen:  

Während die meisten Betroffene einer depressiven Erkrankung keinen Appetit verspüren, verspüren Menschen mit Winterdepressionen oft Heißhunger und nehmen dadurch schneller an Gewicht zu. 

Außerdem ist das Schlafverhalten ein anderes. Häufig sind depressive Patienten zwar erschöpft, aber ihr Körper kommt nicht zur Ruhe. Dadurch leiden sie an Ein- und Durchschlafstörungen. Menschen mit einer saisonal abhängigen Gemütskrankheit schlafen dagegen mehr und länger

Wodurch werden Winterdepressionen begünstigt? 

In der kalten Jahreszeit fallen für viele Menschen Aktivitäten im Freien weg, die sonst dabei helfen, angesammelten Stress abzubauen. Ebenso fehlt durch die dunklen Tage oft das natürliche Tageslicht.  

Auslöser für depressive Episoden können außerdem Stressfaktoren wie Beziehung oder der Job sein.

Aber auch anstehende Feiertage wie Weihnachten, die oft mit hohen Erwartungen verbunden sind, können eine emotionale Belastung darstellen. 

Was kann man also tun, um sich präventiv zu schützen? 

Das wahrscheinlich Wichtigste ist es, frische Luft und Sonnenlicht zu tanken. Auch wenn der Himmel bewölkt scheint, ist der Tageslichteinfall immer noch besser als das künstliche Licht in der Wohnung. Wer merkt, dass die Symptome jedes Jahr wiederkehren, länger als zwei Wochen andauern oder sehr belastend werden, sollte sich professionelle Hilfe suchen. 

Wenn morgens wieder Licht durch die Fenster fällt und der Wecker nicht mehr im Dunkeln klingelt, wirkt auch der Weg zur Hochschule plötzlich weniger schwer. Die Heimfahrt endet nicht mehr in der Dunkelheit – und mit dem Licht kehrt bei vielen Menschen auch die Leichtigkeit zurück. Für Personen mit Winterdepressionen kann diese Veränderung sogar ein wichtiger Schritt aus einer depressiven Episode sein.

Dieser Link führt zur Seite „Stiftung Deutsche Depressionshilfe“, auf welcher neben einem Selbsttest auch eine Rufnummer für das „Info-Telefon Depression“ kostenlos zur Verfügung stehen: Hilfe – Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Mehr zum Thema psychische Krankheiten und Depressionen findest du in unserem Artikel: Leben ,mit‘ einer psychischen Krankheit  

Literatur: Meier, I., & Roth, G. (2022). Depression: Verstehen und Behandeln aus Sicht der Analytischen Psychologie. Kohlhammer.

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