Wer pflegt Deutschland morgen?​

Wer pflegt Deutschland morgen?

Stephanies Weg aus Kenia für die Pflegeausbildung in Deutschland

Helles Neonlicht strahlt von den Decken, der scharfe Geruch von Desinfektionsmittel liegt in der Luft. Pfleger*innen eilen durch die Gänge, irgendwo klingelt ein Telefon. Mittendrin: Stephanie Kamau. Sie wirkt erschöpft, doch die Arbeit mit Menschen treibt sie an. Stephanie ist im September 2024 von Kenia nach Deutschland gezogen. Heute wohnt sie mit vier anderen Studentinnen der Hochschule Osnabrück in einer gemütlichen WG nahe dem Kanal in Lingen.

Morgen früh beginnt wieder der Unterricht an der Marienhausschule in Meppen. Was anstrengender ist, die körperlich fordernde Arbeit im Krankenhaus und Altenheim oder das stundenlange Lernen in der Schule, kann Stephanie kaum sagen. „Beides ist auf seine eigene Art herausfordernd“, sagt sie und lächelt. Dennoch mag sie die Schule lieber. Eigentlich das, was jede Person sagen würde: Arbeiten ist anstrengender, früher aufstehen, lange Schichten. Für ihre Zukunft freut sie sich jedoch sehr zu arbeiten – besonders in der Kardiologie. In der Schule begeistert sie sich für Themen wie Diabetes, Herzkrankheiten und Anatomie.

Stephanies Geschichte steht exemplarisch für viele junge Menschen aus dem Ausland, die in Deutschland eine Pflegeausbildung beginnen. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist seit Jahren bekannt und spitzt sich weiter zu. Laut Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren im Juni 2023 rund 1,7 Millionen Menschen in der Pflege beschäftigt – jede sechste Pflegekraft kam aus dem Ausland. Das Beschäftigungswachstum in der Pflege wird inzwischen nahezu ausschließlich von ausländischen Arbeitskräften getragen. Ohne sie würde der Pflegebetrieb in vielen Einrichtungen kaum noch aufrechterhalten werden.

Auf dem staatlichen Portal Make it in Germany wird die Pflege als einer der gefragtesten Berufe genannt. Der demografische Wandel, steigende Pflegebedarfe und der Rückgang deutscher Auszubildende machen internationale Fachkräfte für das System unverzichtbar. Gleichzeitig setzt Deutschland zunehmend auf Kooperationen mit Ausbildungsstätten im Ausland, unter anderem in afrikanischen Ländern.

 

 

Die 23-Jährige stammt aus Nairobi und wollte ursprünglich in Kenia eine Pflegeausbildung beginnen. Doch die Kosten konnte ihre Familie nicht tragen, hinzu kamen hohe Zugangsvoraussetzungen, etwa sehr gute Noten in Biologie. „Hier in Deutschland sind die Anforderungen einfacher“, sagt sie. Die Ausbildung ist kostenfrei, sie verdient von Anfang an Geld. Von der Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen, erfuhr sie über ihre Kirche. Dort gibt es eine Fachschule mit Partnerschaften nach Deutschland. Voraussetzung: ein Deutschzertifikat auf B2-Niveau.

Danach folgten Bewerbungsgespräche, Verträge, Wohnungssuche, Versicherungen und vor allem das Visum. Der Weg nach Deutschland war dennoch alles andere als leicht. Das Visum verzögerte sich, Wohnraum war knapp, monatelang lebte Stephanie in Unsicherheit. „Es gab Momente, da dachte ich: Vielleicht klappt es doch nicht“, sagt sie.                                                                                         

Unterstützung erhielt sie vor allem im Hinblick der Bürokratie, von ihrem Recruiter, der sie aus Deutschland in Kenia anwirbt und dabei hilft ihr neues Leben in Deutschland zu organisieren. Besonders wichtig war die Unterstützung ihrer Familie. Anfangs skeptisch, steht ihre Mutter heute stolz hinter ihr.  

Die Ankunft in Deutschland war überwältigend. Alles war anders. Der erste Winter, das Essen, die Sprache. „Meine Güte, das ist nicht wie zuhause“, sagt sie lachend. Auch der Schulunterricht war anfangs schwer verständlich, vieles musste sie übersetzen. Doch Lehrkräfte und Mitschüler*innen zeigten Verständnis und unterstützten sie. Heute kommt sie ohne Übersetzer aus. Besonders geholfen haben ihr andere Kenianer*innen vor Ort, ihre WG und die Kirche, wo sie schnell Anschluss fand.

Inhaltlich unterscheidet sich die Pflegeausbildung in Deutschland stark von ihren Erfahrungen in Kenia. Dort gibt es kaum Altenpflege, Pflege findet überwiegend im Krankenhaus oder zuhause statt. In Deutschland lernt Stephanie sowohl medizinische Maßnahmen als auch Grundpflege. Sie schätzt die Struktur, die pünktliche Bezahlung und zusätzliche Leistungen wie Weihnachtsgeld oder Bike-Leasing. Gleichzeitig erlebt sie auch Schattenseiten: lange Schichten, Überstunden, körperliche Belastung – vor allem in der stationären Altenpflege.

Stephanie bereut ihren Schritt nicht. Sie aber vermisst ihre Familie, das Essen, ihre Freunde und das gute Wetter. Flüge nach Kenia sind teuer, aber sie spart für den ersten Besuch. Dennoch sieht sie ihre Zukunft in Deutschland – zumindest vorerst. „Ich will Pflegekraft bleiben“, sagt sie. Und jungen Menschen aus Kenia, die über einen ähnlichen Weg nachdenken, rät sie ohne Zögern: „Ja, macht es. Die Zukunftschancen sind besser.“

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