WieL gelesen: „Judasfrauen“ – Helga Schubert

Lust zu lesen, aber keine Idee was? In den Bücherladen gehen und das Gefühl zu haben schon alles doppelt gelesen zu haben? Diese Probleme kennen wohl viele Bücherwürmer – ihr auch? Wenn ja, dann seid ihr bei unseren neuen Kolumne „WieL gelesen“ genau richtig. Hier stellen wir euch von uns gelesenen Bücher vor und erzählen euch, ob sie empfehlenswert sind oder ob ihr sie vielleicht lieber im Regal stehen lassen solltet. Lasst euch von unseren Rezensionen inspirieren, dann habt auch ihr am Ende hoffentlich WieL gelesen!

„Judasfrauen“ von Helga Schubert

An was lässt einen das Genre historische Dokumentation denken? Trockene Geschichtsbuchtexte aus der Schule oder 1000 Seiten Kommentare zu historischen Dokumenten? Helga Schuberts „Judasfrauen“ ist jedoch ganz anders. Auf 176 Seiten geht Schubert auf die Spurensuche nach weiblicher Täterschaft zu Zeiten des dritten Reichs. Aus Gerichtsakten rekonstruiert, dokumentiert sie die Beziehungen der Täterinnen und ihren Opfern und „sah […] eine Struktur, die sich immer und immer und immer wiederholt“.

Anstatt trockene Erzählungen, liest das Buch sich wie 10 eindrucksvoll gestaltete Kurzgeschichten, nur mit dem Wissen, dass dahinter ein Stück grausame Realität steckt. In den einzelnen Kapiteln wechselt die Erzählerperspektive, wodurch Leser:innen jedes Mal aufs Neue gut in die Szene reinfinden. Jedes Mal aufs Neue ist „Judasfrauen“ nicht nur unglaublich interessant, sondern auch immer wieder erschütternd, endeten doch die Geschichten von den meisten Verratenen tödlich.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, heißt das achte Gebot. Aber Spitzel und Verräter sagen doch die Wahrheit?

„Judasfrauen“- Helga Schubert

Helga Schubert versteht es die Gründe jeder Denunziantin ohne Einfärbung ihrer eigenen Meinung darzustellen. Sei es der Glaube an das System, aber auch unglaublicherweise aus persönlichen Gründen, nicht nur in dem Wissen, sondern auch teilweise mit der Hoffnung, dass die Verratenen ins Gefängnis kommen oder sogar sterben.

„Judasfrauen“ ist nicht nur für alle Geschichtsfans ein Must- read, vor allem weil es eine Perspektive auf die Geschichte Deutschlands liefert, die selten behandelt wird. Eben diese Perspektive zeigt, dass ein solches unterdrückendes System, nicht nur durch das politische Regime erhalten wird. Sondern auch jede und jeder Einzelne, der unreflektiert handelt und den Regeln folgt, dazu beitragen.

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