Monatlich Geld für’s Studium, und niemand sagt dir, wie du es bekommst

Stipendien Studium Förderwerke
Quelle: Pixabay

Jeden Monat bis zu 1000 Euro auf deinem Konto, Geld, das du nie zurückzahlen musst. Dazu Zuschüsse, wenn du ins Ausland willst, Zugang zu Seminaren und Workshops und ein Netzwerk, das dir noch Jahre nach dem Abschluss Türen öffnet.

Das ist kein Wunschdenken. In Deutschland gibt es 13 staatlich anerkannte Begabtenförderungswerke, die genau das für Studierende anbieten. Und trotzdem nutzt am Ende nur rund ein Prozent aller Studierenden tatsächlich eines dieser Werke. Und das liegt zu einem großen Teil nicht an zu wenig Geld, sondern daran, dass sich viel zu wenige überhaupt bewerben, oft aus dem Gedanken heraus, dass es bei ihnen ohnehin nichts wird. Warum das schade ist und warum auch du zu den kommenden Bewerbern gehören solltest, darum soll es im Folgenden gehen.

Die 13 Werke: Wer steckt dahinter?

Die 13 Begabtenförderungswerke werden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt anerkannt und teilfinanziert. Jedes Werk hat dabei seine eigene Ausrichtung und damit auch seine eigene Zielgruppe. Das ist eine kurze Vorstellung von jedem dieser 13 Studienwerke:

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das bekannteste und größte Werk und politisch unabhängig. Hier zählen vor allem Leistung und gesellschaftliches Engagement. Die Aufnahme funktioniert ausschließlich über Nominierung, zum Beispiel durch Professorinnen und Professoren.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung steht der CDU/CSU nahe und legt ihren Fokus auf Demokratieförderung und gesellschaftspolitisches Engagement, vor allem natürlich nach den Werten der CDU. Auch internationale Vernetzung spielt hier eine große Rolle. Ähnlich ist es auch bei der Hanns-Seidel-Stiftung, die der CSU nahesteht.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung steht der SPD nahe und ist besonders offen für Studierende aus Arbeiterfamilien sowie für alle, die sich gewerkschaftlich oder sozial engagieren.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung ist liberal geprägt und FDP-nah, mit einem Schwerpunkt auf Freiheit, Eigenverantwortung und marktwirtschaftlichem Denken.

Die Heinrich-Böll-Stiftung steht den Grünen nahe und hat einen starken Fokus auf Ökologie, Feminismus und internationale Gerechtigkeit. Sie ist außerdem explizit offen für nicht-lineare Lebensläufe.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung steht der Partei Die Linke nahe, mit einem großen Fokus auf soziale Gerechtigkeit, Antirassismus und kritische Gesellschaftsanalyse. Auch sie ist ausdrücklich offen für alternative Bildungswege.

Die Hans-Böckler-Stiftung ist die Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und richtet sich gezielt an Studierende, die in gewerkschaftlichen oder betrieblichen Strukturen aktiv sind.

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft ist wirtschaftsnah und praxisorientiert und richtet sich an Studierende, die gerne an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft arbeiten wollen.

Zu diesen 9 Studienwerken kommen außerdem noch vier Werke mit religiöser Ausrichtung: Das Cusanuswerk richtet sich an katholische und das Evangelische Studienwerk Villigst an evangelische Studierende. Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk fördert jüdische Studierende und das Avicenna-Studienwerk muslimische Studierende.

Man sieht also: Es ist wirklich für jeden etwas dabei.

Eine gute Anlaufstelle, um alle 13 Werke zu vergleichen, näher kennenzulernen und herauszufinden, welches am besten zu Dir passt, ist stipendiumplus.de, die gemeinsame offizielle Informationsplattform der Begabtenförderungswerke.

Was bekommst du als Stipendiat?

Alle 13 Werke bieten zwei Arten von Förderung an: eine finanzielle und eine ideelle. Und beide sind es wert, genauer angeschaut zu werden.

Die finanzielle Förderung funktioniert so: Unabhängig vom eigenen Einkommen bekommt man eine Studienkostenpauschale von 300 Euro monatlich. Dazu kommt eine einkommensabhängige Förderung, die sich am BAföG orientiert und bis zu 992 Euro im Monat betragen kann, sowie mögliche Zuschläge für Krankenversicherung, Familie oder Kinderbetreuung, sodass insgesamt bis zu 1.744 Euro monatlich möglich sind. Das Wichtigste dabei: Anders als beim Bafög musst du das Geld nach dem Abschluss nicht zurückzahlen. Und weil die Studienwerke die Studienkostenpauschale unabhängig vom Einkommen zahlen, bekommst du die 300 Euro in jedem Fall obendrauf.

Bei Auslandsaufenthalten und Sprachkursen gibt es zusätzlich eine monatliche Pauschale, und die Werke erstatten zusätzlich auch Kosten für Flug, Sprachkurs oder Semestergebühren, wodurch ein Auslandssemester kein finanzielles Risiko mehr darstellt.

Mindestens genauso wertvoll ist aber die ideelle Förderung der Studienwerke, also alles, was über das Geld hinausgeht. Die Begabtenförderungswerke bieten regelmäßige (also oft mehrere Veranstaltungen pro Woche) Mentoring-Programme, Workshops und Netzwerk-Veranstaltungen an. Dazu kommen je nach Werk auch noch Sommerschulen, Tagungen und Ferienakademien. Man wird außerdem Teil eines großen Netzwerks aus aktuellen und ehemaligen Geförderten. Das klingt erstmal abstrakt, ist aber in der Praxis vor allem langfristig einer der wertvollsten Aspekte der ganzen Förderung. Denn wer einmal Teil eines Förderwerks ist, bleibt es auch als Alumna oder Alumnus, mit Zugang zu Veranstaltungen und vor allem zu wertvollen Kontakten, die von außen unsichtbar bleiben.

Wie läuft die Bewerbung ab?

Obwohl die Studienwerke sehr unterschiedlich sind, läuft der Bewerbungsprozess im Grundsatz recht ähnlich ab.

Im ersten Schritt reicht man Unterlagen ein: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und manchmal Empfehlungsschreiben von Professorinnen oder Professoren (oder, wenn man noch in der Schule ist, von Lehrkräften). Das Motivationsschreiben ist dabei entscheidend. Hier geht es nicht nur darum, zu erklären, warum du gefördert werden willst, sondern vor allem darum, zu zeigen, dass du zum jeweiligen Werk passt und dass sich deine Ziele mit denen des Studienwerks überschneiden. Es sollte einen roten Faden geben, ein klares „Warum“. Wer sich bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung bewirbt, sollte das also lieber nicht mit demselben Text tun wie bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Im zweiten Schritt folgt bei den meisten Werken ein Online-Interview oder ein Auswahlseminar, das über ein bis zwei Tage geht und bei dem du in Diskussionen, Gruppenarbeiten und Einzelgesprächen zeigen kannst, wer du bist. Es geht weniger darum, alle Antworten zu kennen, als darum, wie du denkst, wie du mit anderen umgehst und was dich antreibt.

Ein Tipp, den ich schon von vielen Stipendiaten gehört habe: Wenn ihr euch bewerbt, dann tut das mit einem klaren Plan, was ihr später machen wollt. Der ist am Ende natürlich nicht bindend, und es ist kein Problem, wenn ihr etwas anderes macht. Aber wenn ihr gefragt werdet, was ihr in drei oder fünf Jahren vorhabt, und dann sagt, ihr seid euch noch nicht sicher, kommt das oft negativ an.

Wenige Wochen nach dem zweiten Schritt kommt die (hoffentlich positive) Entscheidung. Bei einer Zusage beginnt die Förderung in der Regel im folgenden Monat.

Einen Sonderfall bildet die Studienstiftung des deutschen Volkes. Dort bewirbst du dich nicht selbst, stattdessen nominieren dich Dritte, also Professorinnen und Professoren, Lehrkräfte oder andere Förderwerke.

Warum Du dich für ein Stipendium bewerben solltest

Der größte Fehler, den Studierende machen, ist der Gedanke: Das ist nichts für mich. Und genau dieser Gedanke erklärt zu einem großen Teil, warum am Ende nur rund ein Prozent aller Studierenden gefördert wird, obwohl es das Geld und die Förderung gibt. Die Werke suchen keine wandelnden Einser-Lebensläufe. Sie suchen Menschen, die etwas bewegen wollen, in der Gesellschaft, in ihrem Fach oder in ihrer Community. Ein 1,0-Schnitt ist kein Freifahrtschein, und ein 2,0-Schnitt ist genauso wenig ein Ausschlusskriterium.

Dazu kommt ein praktischer Nebeneffekt: Der Bewerbungsprozess selbst ist eine sehr nützliche Übung. Ein Motivationsschreiben verfassen, sich auf Auswahlgespräche vorbereiten, die eigene Haltung zu gesellschaftlichen Fragen klar formulieren: Das sind alles Fähigkeiten, die du später brauchst, egal ob im Beruf, im Master oder bei der nächsten Bewerbung. Selbst wer beim ersten Versuch keine Zusage bekommt, geht auf keinen Fall mit leeren Händen raus.

Und noch etwas, das oft vergessen wird: Die Förderung endet nicht mit dem Bachelor. Viele Werke begleiten ihre Stipendiatinnen und Stipendiaten auch durch den Master und sogar durch die Promotion. Wer also plant, langfristig in der Wissenschaft oder in einem Bereich zu arbeiten, in dem ein starkes Netzwerk und internationale Erfahrung zählen, investiert mit einer Bewerbung nicht nur in die nächsten Semester, sondern in die nächsten Jahre.

Das heißt für Dich: Such dir das Werk aus, das am besten zu dir passt, und schreib die Bewerbung mit dem Glauben, dass du eine Chance hast. Denn die hast du.

Den Überblick über alle 13 Werke, Fristen und Bewerbungsvoraussetzungen findest du auf stipendiumplus.de.

Falls du dich gerade fragst, ob du aber nach dem Bachelor überhaupt einen Master machst, dazu haben wir hier auch etwas geschrieben.

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