Vinted als Gamechanger: Wie Secondhand-Plattformen das Konsumverhalten von Studierenden verändern

Secondhand-Mode erlebt einen nie dagewesenen Boom – und Plattformen wie Vinted stehen im Zentrum dieses Wandels. Was früher als Notlösung oder Ausdruck alternativer Subkulturen galt, ist heute für viele Studierende Ausdruck eines bewussten, nachhaltigen Lebensstils geworden. Doch wie genau verändert Vinted das Konsumverhalten junger Menschen? Und wie nachhaltig ist das Shoppen dort wirklich?

Vinted: Von der Nische zum Mainstream

Vinted, ursprünglich 2008 in Litauen gegründet, zählt heute über 100 Millionen Nutzer:innen weltweit und ist in mehr als 20 Ländern aktiv.1 Die Plattform ermöglicht es, gebrauchte Kleidung unkompliziert zu kaufen, zu verkaufen oder zu tauschen – direkt von Nutzer zu Nutzer. Für Studierende ist das besonders attraktiv: Die Auswahl ist riesig, die Preise meist deutlich günstiger als im Einzelhandel, und das Angebot reicht von Vintage-Schätzen bis zu aktuellen Trendteilen.

Warum Secondhand immer beliebter wird

Die Gründe für den Secondhand-Boom sind vielfältig:

  • Nachhaltigkeit: Viele Studierende wollen bewusster konsumieren und Ressourcen schonen. Secondhand-Mode reduziert den Bedarf an Neuproduktion, spart Wasser, Energie und CO₂ und verlängert die Lebensdauer von Kleidungsstücken.
  • Preis-Leistung: Gerade für junge Menschen mit begrenztem Budget ist das Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend. Secondhand-Teile sind günstiger, oft aber genauso hochwertig wie Neuware.
  • Individualität und Vielfalt: Auf Vinted finden Nutzer:innen eine breite Auswahl – von Designermarken bis zu Unikaten. So lässt sich ein individueller Stil abseits des Mainstreams kreieren.
  • Community-Gedanke: Vinted ist mehr als ein Marktplatz – es ist eine Community, in der sich Gleichgesinnte austauschen und gegenseitig unterstützen können.

Verändertes Konsumverhalten bei Studierenden

Laut aktuellen Studien machen Secondhand-Stücke bei vielen Vinted-Nutzer:innen bereits einen erheblichen Teil des Kleiderschranks aus: 65 Prozent berichten, dass mindestens ein Viertel ihrer Kleidung aus zweiter Hand stammt, 37 Prozent sogar die Hälfte oder mehr.2 Besonders in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien ist dieser Trend ausgeprägt.

Auffällig ist auch, dass sich das Einkaufsverhalten insgesamt verändert: Viele kaufen weniger, dafür gezielter und hochwertiger ein. Fast drei Viertel der Befragten kaufen heute weniger oder gleich viele Artikel wie früher, aber ein Drittel greift häufiger zu Secondhand als zu Neuware. Die Folge: Fast-Fashion verliert an Bedeutung, während langlebige und hochwertige Teile beliebter werden.

Die Ökobilanz von Secondhand-Mode auf Vinted

Wie nachhaltig ist das Shoppen auf Vinted wirklich? Die Plattform wirbt mit einer besseren Klimabilanz im Vergleich zu Fast Fashion – und das belegen auch aktuelle Studien:

  • CO₂-Einsparung: Laut dem Vinted-Klimafolgenbericht spart der Kauf eines gebrauchten Artikels im Durchschnitt 1,8 Kilogramm CO₂ gegenüber einem Neukauf ein. 2023 wurden durch Secondhand-Käufe auf Vinted insgesamt rund 680.000 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart.1
  • Transport und Verpackung: Die größte Klimabelastung entsteht beim Versand. Wer sich die Ware an eine Abholstation liefern lässt und wiederverwendete Verpackungen nutzt, kann die Emissionen deutlich reduzieren. Im Schnitt verursacht die Verpackung pro Artikel nur etwa 31 Gramm CO₂-Äquivalent, und 62 Prozent der Verpackungen werden wiederverwendet.1
  • Vergleich zu Fast Fashion: Die Herstellung eines neuen T-Shirts verursacht laut Umweltbundesamt etwa 5,7 Kilogramm CO₂ – der Versand eines Secondhand-Artikels dagegen nur rund 0,5 Kilogramm (nationaler Versand)1. Das bedeutet: Erst nach etwa elf Secondhand-Bestellungen ist der CO₂-Fußabdruck so groß wie bei einem Neukauf.

Motive und Herausforderungen

Neben Nachhaltigkeit und Preis sind auch ethische Gründe relevant: 19% der Vinted-Nutzer:innen geben an, Secondhand zu wählen, weil sie Wiederverkauf als „das Richtige“ empfinden – in Frankreich und Deutschland liegt dieser Anteil sogar noch höher. Ein weiterer Aspekt: Viele verkaufen ihre Kleidung weiter und investieren das Geld direkt wieder in neue Secondhand-Teile, was den Kreislaufgedanken stärkt.1

Doch der Trend hat auch Schattenseiten: Der sogenannte „Vinted-Effekt“ beschreibt, dass manche Nutzer:innen durch die günstigen Preise und die große Auswahl mehr kaufen als zuvor. Das kann dazu führen, dass der nachhaltige Effekt teilweise verpufft, wenn der Konsum insgesamt steigt. Zudem werden viele Artikel über weite Strecken verschickt, was den ökologischen Fußabdruck erhöht.3

Einige Studierende haben außerdem Bedenken bezüglich Hygiene und Qualität, wobei diese laut Studien weniger stark ins Gewicht fallen als früher. Verbesserte Reinigungsstandards und Qualitätssicherung könnten die Akzeptanz weiter steigern.

Überkonsum und neue Dynamiken

Ein kritischer Punkt ist die Gefahr des Überkonsums – auch im Secondhand-Bereich. Niedrige Preise und eine riesige Auswahl können dazu verleiten, mehr zu kaufen, als tatsächlich benötigt wird. Plattformen wie Vinted versuchen, dem entgegenzuwirken, indem sie auf Langlebigkeit und bewussten Konsum setzen.

Grenzen der Nachhaltigkeit

Wirklich nachhaltig bleibt Secondhand-Shopping aber nur, wenn es den Neukauf ersetzt – nicht, wenn es zu zusätzlichem Konsum führt. Internationale Lieferungen und übermäßiges Shoppen können die positive Klimabilanz schmälern.4 Ein gezielter, bewusster Umgang mit der Plattform und die Nutzung lokaler Angebote erhöhen die Nachhaltigkeit zusätzlich.

Fazit:

Vinted und andere Secondhand-Plattformen haben das Konsumverhalten von Studierenden und jungen Erwachsenen grundlegend verändert. Sie bieten nicht nur Zugang zu günstiger, individueller und nachhaltiger Mode, sondern fördern auch einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und Kleidung. Insgesamt überwiegen die Vorteile, solange Nutzer:innen bewusst konsumieren und Secondhand-Käufe gezielt als Ersatz für Neuware tätigen. So bleibt Vinted eine sinnvolle und zukunftsfähige Alternative zur Fast Fashion. Der Trend zur Capsule Wardrobe, also einer kleinen, vielseitigen und hochwertigen Garderobe, passt perfekt zu diesem neuen Konsumverständnis.

Mehr zum Thema nachhaltiger Kleiderschrank und Capsule Wardrobe findest du im Artikel: Was ist dran am Trend Capsule Wardrobe?

  1. Vinted. (2023). Making second-hand first choice: Our Impact Report 2023. https://press-center-static.vinted.com/Impact_Report_EN_2023_d4e3d4399e.pdf (abgerufen am 16.06.2025). ↩︎
  2. FashionUnited. (2024). Vinted Impact Report 2023: Second-hand replaces new clothes in Europe.
    https://fashionunited.com/news/fashion/vinted-impact-report-2023-second-hand-replaces-new-clothes-in-europe/2024061960492 (abgerufen am 16.06.2025). ↩︎
  3. Just-Style. (2023). Vinted releases first Climate Impact report claiming big CO₂ savings. https://www.just-style.com/news/vinted-releases-first-climate-impact-report-claiming-big-co%E2%82%82-savings/ (abgerufen am 16.06.2025). ↩︎
  4. YnFx. (2023). Vinted publishes first Climate Change Impact Report. https://www.yarnsandfibers.com/news/textile-news/vinted-publishes-first-climate-change-impact-report/ (abgerufen am 16.06.2025). ↩︎

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